US-Wirtschaft unter Inflationsdruck

ISM-Dienstleistungsindex steigt auf 54,5 Punkte, doch steigende Inputpreise und gestörte Lieferketten belasten die US-Konjunktur.

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Kurz & knapp:
  • Dienstleistungssektor wächst trotz Krisenreflex
  • Inputpreise erreichen höchsten Stand seit 2022
  • Fabrikbestellungen durch Boeing-Aufträge beflügelt
  • Arbeitsmarkt zeigt sich stabil aber ohne Dynamik

Der Iran-Krieg hinterlässt seine Spuren – und zwar nicht nur auf den Ölfeldern. Die US-Wirtschaft zeigt sich im Mai überraschend widerstandsfähig, doch unter der Oberfläche brodelt es: Preisdruck, gestörte Lieferketten und ein verunsicherter Arbeitsmarkt prägen das Bild kurz vor dem nächsten großen Datentag.

Dienstleistungssektor wächst – aber zu welchem Preis?

Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor kletterte im Mai auf 54,5 Punkte, nach 53,6 im April – und damit deutlich über die Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen, die 53,8 prognostiziert hatten. Alles über 50 signalisiert Wachstum. Das klingt zunächst beruhigend, denn der Dienstleistungssektor macht mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus.

Der Haken: Das Wachstum ist teilweise ein Krisenreflex. Unternehmen orderten vorsorglich mehr ein und bauten Lagerbestände auf – in Erwartung von Engpässen und steigenden Kosten durch den anhaltenden Konflikt mit dem Iran. Der Lagerbestand-Index sprang auf 62,5 Punkte, den höchsten Stand seit Mai 2010. Gleichzeitig stiegen die von Unternehmen gezahlten Inputpreise auf 71,3 Punkte – den höchsten Wert seit August 2022.

Petroleum-Produkte, Aluminiumrohstoffe, Düngemittel: Überall machen sich die Verwerfungen bemerkbar. Firmen aus dem Gastgewerbe berichteten, dass Lieferanten Treibstoffzuschläge und höhere Kosten für harzbasierte Produkte weitergeben wollen. Bildungsdienstleister verzeichnen Engpässe bei Laptops und Tablets. „Wir erwarten erhebliche Kostensteigerungen bis Ende des zweiten Quartals und sicher im dritten Quartal“, zitiert die ISM-Umfrage Unternehmen aus der Gastronomiebranche.

Fabrikbestellungen mit starkem Schub – Boeing gibt Rückenwind

Parallel dazu meldete das Handelsministerium für April einen Auftragsanstieg in der Industrie um 4,8 Prozent – der stärkste Zuwachs seit Mai 2025. Der Treiber: Boeing verbuchte 136 Bestellungen, überwiegend für hochpreisige Modelle, was die Bestellungen für Handelsflugzeuge um 165,9 Prozent nach oben katapultierte. Zum Vergleich: Im März waren es nur 33 Aufträge gewesen.

Auch Primärmetalle (+2,0 %), Metallerzeugnisse (+3,5 %) und Maschinenbau (+0,7 %) legten zu. Zusätzlich stützt der KI-Boom die Nachfrage nach Industriegütern. Schwächer entwickelten sich hingegen Computer und Elektronikprodukte, die um 0,7 Prozent zurückfielen.

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Damit bestätigt sich ein gemischtes Bild: Die US-Industrie expandiert, doch der Krieg mit dem Iran bleibt ein Abwärtsrisiko – durch stockende Rohstofflieferketten und erhöhte Energiepreise.

Fed bleibt in der Warteschleife

Genau diese Kombination – Wachstum bei gleichzeitig steigendem Preisdruck – stellt die US-Notenbank vor ein Dilemma. Die Inflation legte im April so schnell zu wie seit drei Jahren nicht mehr. Dennoch preisen die Märkte eine Zinserhöhung erst für Dezember ein, der Leitzins liegt aktuell in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.

„Der größte Teil der Volkswirtschaft bleibt gesund und expandiert weiter, auch wenn sich der Inflationsdruck intensiviert“, so Priscilla Thiagamoorthy von BMO Capital Markets. „Das dürfte die Fed-Offiziellen in ihrer abwartenden Haltung bestärken.“

Wirklich komfortabel ist diese Lage nicht. Lieferketten klemmen, die Lieferzeiten-Messung des ISM verharrte mit 55,2 Punkten auf hohem Niveau. Jeder Wert über 50 bedeutet schleppendere Lieferungen – ein klassisches Inflationssignal.

Arbeitsmarkt: Stabil, aber ohne Schwung

Für Donnerstag stehen wichtige Arbeitsmarktdaten auf dem Kalender: Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe werden mit 211.000 erwartet, nach 215.000 in der Vorwoche. Am Freitag folgt dann der monatliche Beschäftigungsbericht, dem Ökonomen mit gemischten Gefühlen entgegensehen.

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Die Erwartungen sind gedämpft: Ein Plus von 85.000 Stellen im Mai nach 115.000 im April – und damit ein spürbarer Rückgang. Die Arbeitslosigkeitsquote soll stabil bei 4,3 Prozent bleiben. Der ADP-Bericht wies für Mai einen Beschäftigungsanstieg von 122.000 Jobs im privaten Sektor aus, nach 105.000 im April. Allerdings gilt der ADP-Report als schwacher Vorhersagewert für die offiziellen Zahlen.

„Die Indikatoren mit einer besseren Prognosegenauigkeit – darunter Einstellungsabsichten und Stellenverfügbarkeit – haben sich zuletzt abgeschwächt“, warnte Samuel Tombs von Pantheon Macroeconomics. „Hinweise auf eine Belebung des Arbeitsmarktes bleiben wenig überzeugend.“

Im Dienstleistungssektor selbst herrscht Zurückhaltung: Viele Unternehmen melden Einstellungsstopps oder besetzen freie Stellen schlicht nicht nach.

Globaler Widerhall: Brasilien spürt den Druck

Das Inflationsproblem ist kein rein amerikanisches Phänomen. Auch Brasilien kämpft mit den Folgen steigender Energiepreise und hausgemachter Nachfrageüberhitzung. Notenbankchef Gabriel Galipolo warnte, dass die nachfragegetriebene Inflation unvereinbar mit dem Drei-Prozent-Ziel der Zentralbank sei – trotz der bereits vollzogenen Zinssenkungen auf 14,5 Prozent.

Die brasilianischen Banken BTG Pactual und XP haben ihre Erwartungen für weitere Zinssenkungen bereits zurückgeschraubt. Gleichzeitig reagierte Präsident Lula scharf auf die angekündigten US-Strafzölle von 25 Prozent auf brasilianische Importe und drohte mit der Suche nach alternativen Handelspartnern – ein weiterer Mosaikstein in einem zunehmend fragmentierten globalen Handelsgefüge.

Ausblick: Freitag bringt Klarheit

Die kommenden 48 Stunden werden zeigen, in welche Richtung sich das Narrativ dreht. Der Freitags-Jobsbericht gilt als entscheidender Stimmungstest für die Märkte. Fällt er schwächer als erwartet aus, dürfte der Druck auf die Fed sinken – trotz des anhaltenden Preisdrucks. Fällt er überraschend stark aus, könnte die Zinserwartung für Dezember wieder ins Wanken geraten.

Was bleibt: Die US-Wirtschaft wächst, aber sie wächst nicht sorglos. Der Iran-Krieg hat eine neue Schicht geopolitischer Unsicherheit über eine bereits fragile Erholungsdynamik gelegt – und die Rechnung dafür kommt gerade erst an.

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