Die US-Wirtschaft wächst spürbar robuster als an den Märkten erwartet, doch die Erleichterung an der Wall Street währt nur kurz. Auf das Jahr hochgerechnet legte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 3,4 Prozent zu. Hinter den soliden Gesamtzahlen verbergen sich allerdings statistische Sondereffekte und ein hartnäckiger Preisdruck, der Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen dämpft.
Die Prognosen der Volkswirte hatten im Vorfeld zwischen 3,1 und 3,2 Prozent gelegen. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 2,2 Prozent gelegen.
Als kräftiger Konjunkturmotor erwiesen sich hohe Investitionen in Rechenzentren und künstliche Intelligenz. Der damit verbundene Bauboom glich den Rückgang im Wohnungsbau aus und schuf neue Arbeitsplätze im Baugewerbe. Parallel dazu stützte die robuste Nachfrage der privaten Verbraucher die Gewinne großer US-Konzerne.
Lageraufbau verzerrt das Wachstumsbild
Der Blick in die Details relativiert das starke Quartalsergebnis. Die Konsumausgaben stiegen zwar annualisiert um 3,8 Prozent, verloren gegen Quartalsende jedoch an Dynamik. Rechnerisch steuerte vor allem der Lageraufbau der Unternehmen rund 1,7 Prozentpunkte zum gesamten Zuwachs bei.
Die bereinigten Endverkäufe legten lediglich um 1,7 Prozent zu, nach 2,8 Prozent im Vorquartal. Ohne die gefüllten Lagerhallen fiel die tatsächliche Nachfrageentwicklung spürbar verhaltener aus.
Hartnäckige Kerninflation schürt Zinssorgen
Wenig Entlastung gibt es an der Inflationsfront. Die persönlichen Konsumausgaben (PCE) stiegen im September im Jahresvergleich um 3,6 Prozent. Bei der von der Notenbank Federal Reserve besonders beachteten Kernrate kletterte die Teuerung von 3,0 auf 3,1 Prozent.
Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und am Mittwoch eine Pause eingelegt. Allerdings stimmten zwei Währungshüter gegen den Beschluss und forderten eine sofortige weitere Anhebung. Auch der Arbeitsmarkt signalisiert kaum Abkühlung: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Woche bis zum 24. Oktober auf 194.000.
An den Finanzmärkten sorgte das Zusammenspiel aus solidem Wachstum und zäher Teuerung für Zurückhaltung. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg auf 5,02 Prozent. Vorbörslich gaben die US-Aktien-Futures nach: Der Dow Jones sank um 0,3 Prozent, während der technologielastige Nasdaq 100 ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnete.
Am Freitag, 30. Oktober, um 13:30 Uhr folgen die Arbeitskosten für das dritte Quartal, bevor am 25. November die nächsten Daten zu Einkommen, Konsumausgaben und PCE-Preisen veröffentlicht werden.
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