Die US-Regierung vollzieht eine Kehrtwende in ihrer Energiepolitik. Um die hohen Kraftstoffpreise im Inland zu dämpfen, setzt das US-Finanzministerium ausgewählte Sanktionen gegen russische Treibstoffexporte bis April aus. Der Schritt folgt auf eine Vereinbarung zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin über den Export von Millionen Tonnen Diesel an globale Märkte.
Der Beschluss fällt in eine Phase spürbarer Knappheit an den Zapfsäulen. In den USA kletterte der Dieselpreis am Freitag auf durchschnittlich 6,28 Dollar pro Gallone, verglichen mit 3,68 Dollar vor einem Jahr. Die globale Versorgung leidet unter den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und in Osteuropa.
Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur fehlten den Märkten im vergangenen Monat rund 1,6 Millionen Barrel Diesel pro Tag. Angesichts dieser Angebotslücke gerieten die Preise weltweit unter Druck. Washington öffnete den Markt daraufhin kontrolliert für Lieferungen aus Russland.
Gestaffelte Mengen und operative Hürden
Die Vereinbarung sieht einen gestaffelten Zeitplan vor. Zunächst soll Russland mehr als 300.000 Tonnen Treibstoff bereitstellen. Für die Folgemonate sind weitere Tranchen vorgesehen, die das Gesamtvolumen auf rund 36 Millionen Barrel anheben könnten. Nach Schätzungen von Energieexperten des Center for Strategic and International Studies könnte Moskau damit täglich über 100.000 Barrel Diesel exportieren.
Ob diese Mengen tatsächlich in vollem Umfang eintreffen, bezweifeln Marktbeobachter. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und bestehende Ausfuhrbeschränkungen Moskaus zur Sicherung des heimischen Bedarfs könnten das Angebot drosseln. Es bleibt fraglich, wie viel zusätzlicher Treibstoff die globalen Märkte tatsächlich erreicht.
Politischer Widerstand und parallele Diplomatie
Die Ausnahmegenehmigung stößt international auf deutlichen Widerstand. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte davor, dass die Einnahmen aus den Treibstoffverkäufen direkt in Moskaus Kriegskasse fließen. Der Schritt markiert auch innenpolitisch einen Kurswechsel, nachdem Washington zuvor noch neue Restriktionen gegen Großabnehmer russischer Energie auf den Weg gebracht hatte.
Zeitgleich zu der Energieabsprache fanden in Miami sechsstündige Gespräche zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und europäischer Staaten statt. Die Delegationen arbeiten an einem gemeinsamen Vorschlag für eine Friedensordnung, der in den kommenden Wochen fertiggestellt werden soll, bevor Moskau einbezogen wird. Bis dahin verschafft die temporäre Sanktionspause bis April den Verbrauchern an den Tankstellen eine Atempause, während die geopolitischen Fronten verhärtet bleiben.


