Die Regierungen in Washington und Peking haben sich auf gegenseitige Zollsenkungen für nicht-sensible Waren im Wert von jeweils 30 Milliarden Dollar geeinigt. Der Schritt erleichtert vor allem US-Farmern den Zugang zum chinesischen Markt und verbilligt Konsumgüter in den Vereinigten Staaten. An den Finanzmärkten rücken damit sofort jene US-Agrarkonzerne nach vorn, deren Bilanzen zuletzt unter hohen Kosten litten.
Ausgehandelt wurde der Rahmen beim Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA in der vergangenen Woche. Beide Seiten veröffentlichten detaillierte Listen für Vorzugsbehandlungen. Diese umfassen 1.619 US-Waren und 77 chinesische Produkte.
Entlastung für Farmer und Verbraucher
Für die Vereinigten Staaten betrifft die Erleichterung rund 30 Prozent der bisherigen Exporte nach China. Zu den begünstigten US-Ausfuhren zählen landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Fleisch, Mais, Weizen und Milchprodukte, aber auch Medizintechnik, Kohle und Kosmetik.
Im Gegenzug sinken in den USA die Zölle auf chinesische Alltagsprodukte. Importe von Haushaltsgeräten, Spielwaren, Sportartikeln und Weihnachtsdekorationen werden für amerikanische Abnehmer spürbar günstiger. Beide Seiten vereinbarten unter dem neu geschaffenen Handelsgremium zudem eine engere Zusammenarbeit im Agrarsektor.
Unterschiedliche Ausgangslage bei Agraraktien
Für die großen US-Agrarkonzerne bringt die Einigung neue Perspektiven, allerdings bei völlig unterschiedlicher Bewertung. Tyson Foods könnte besonders profitieren, da das Unternehmen über Fleischlieferungen direkten Zugang erhält. Die Aktie notierte zuletzt bei 50,92 Dollar. Bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 trauen Marktbeobachter dem Fleischkonzern eine deutliche Erholung der Margen zu.
Anders stellt sich die Lage bei Branchenkollegen dar. Die Aktie von Archer-Daniels-Midland hat seit Jahresbeginn bereits um 41,23 Prozent zugelegt. Niedrigere Zölle auf Getreideexporte stützen das operative Geschäft zwar, scheinen im aktuellen Kursniveau aber weitgehend eingepreist zu sein.
Beim Konkurrenten Bunge gehen die Einschätzungen auseinander. Da Sojabohnen auf der Entlastungsliste der Chinesen fehlen, bleibt das Kerngeschäft der Ölsaatenverarbeitung vorerst außen vor.
Die Erleichterungen verschaffen den Unternehmen Luft, gelten jedoch unter Vorbehalt. Der vereinbarte handelspolitische Waffenstillstand zwischen beiden Nationen läuft am 10. Januar 2027 aus. Bis zu diesem Stichtag müssen Washington und Peking ihre Verhandlungen über das endgültige Abkommen abschließen.
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