Das persönliche Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping verschafft der Weltwirtschaft vorerst eine Atempause, löst die grundlegenden Streitpunkte aber nicht. Zwar einigten sich Washington und Peking zum Auftakt des dreitägigen Staatsbesuchs auf eine Verlängerung ihrer Zollpause um zwei Monate. Hinter den versöhnlichen Gesten im Weißen Haus bleiben die tektonischen Reibungsflächen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften jedoch unverändert groß.

Aufschub für den Handel und Gespräche über Technologie

US-Finanzminister Scott Bessent vereinbarte die Verlängerung des Busan-Abkommens in Gesprächen mit dem chinesischen Vize-Premier He Lifeng. Damit wird der bisherige Stillstand im Handelsstreit über den Stichtag am 10. November hinaus verlängert. Die Einigung nimmt kurzfristig Druck von den Lieferketten. Beim anschließenden Staatsbankett saßen neben den Staatsspitzen auch prominente Branchenführer am Tisch, darunter die Chefs von Tesla, Apple, Amazon und Alphabet.

Ein zentrales Verhandlungsthema bildet der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Beide Staaten ringen intensiv um die Vorherrschaft bei dieser Technologie, fürchten aber gleichermaßen unkontrollierte Sicherheitsrisiken, insbesondere im militärischen Bereich. Trump erklärte, er wolle den aktuellen Status bei fortgeschrittener Software beibehalten, was auch der chinesischen Position entspreche.

Ungelöste Konflikte um Öl und Geopolitik

Abseits der Technologie belasten schwerwiegende geopolitische Interessen das bilaterale Verhältnis. Die Lage im Nahen Osten sorgt für direkte Spannungen: Durch den Konflikt mit dem Iran und Blockaden in der Straße von Hormus ziehen die Notierungen für Gas und Rohöl spürbar an. Während die US-Regierung auf freie Seewege pocht, bleibt Peking der größte Abnehmer iranischen Rohöls.

Schwere Verwerfungen drohen außerdem durch ein US-Sanktionsgesetz im Zusammenhang mit dem russischen Krieg in der Ukraine. Die Regelung ermächtigt das Weiße Haus, Sonderzölle von bis zu 100 Prozent gegen Länder zu verhängen, die weiterhin Energie aus Russland importieren. Diese Maßnahme könnte neben Indien insbesondere chinesische Unternehmen treffen.

Der Washingtoner Gipfel verhindert eine sofortige Eskalation an den Handelsmärkten, vertagt die Entscheidung über Strafzölle und Handelsschranken aber lediglich in das beginnende neue Jahr.