Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat die Zulassungsanwendung für PF-07307405 validiert, den mit Pfizer entwickelten Impfstoffkandidaten gegen Lyme-Borreliose. Damit beginnt die formale Prüfung, eine Entscheidung wird laut Unternehmensangaben innerhalb von zwölf Monaten erwartet. Der Kurs reagierte am Freitag mit einem Sprung von 27 Prozent auf 3,06 Euro.

Zahlen zeigen Umbruchphase

Nur einen Tag vor der EMA-Nachricht hatte Valneva seine Halbjahreszahlen vorgelegt, und die fielen deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Der Umsatz sank auf 65,8 Millionen Euro von zuvor 97,6 Millionen Euro, der Nettoverlust weitete sich auf 63,3 Millionen Euro aus, nach 20,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Das Unternehmen begründet den Rückgang mit dem geplanten Auslaufen von Drittvertriebsgeschäften und der Terminierung von IXIARO-Lieferungen an das US-Verteidigungsministerium.

Trotz der roten Zahlen bekräftigte das Management seine Jahresprognose: Die Produktumsätze sollen 2026 zwischen 135 und 150 Millionen Euro liegen, die Gesamterlöse zwischen 145 und 160 Millionen Euro.

Zum 30. Juni verfügte Valneva über eine Kassenposition von 121,5 Millionen Euro, darunter 34,3 Millionen Euro aus einer im zweiten Quartal abgeschlossenen Kapitalerhöhung.

Restrukturierung soll Cash-Verbrauch bremsen

Parallel zu den Zahlen bestätigte das Unternehmen ein globales Restrukturierungsprogramm. Vorgesehen sind ein Stellenabbau von 10 bis 15 Prozent sowie eine Neupriorisierung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Ziel ist es, den Cash-Verbrauch zu senken und die Margen in der zweiten Jahreshälfte zu verbessern. Für ein Unternehmen, das gleichzeitig auf eine mögliche Zulassung seines Lyme-Impfstoffs hinarbeitet, ist das ein doppelter Balanceakt: Kosten senken, ohne die vielversprechendsten Programme auszubremsen.

Zu diesen Programmen zählt auch der Shigella-Impfstoffkandidat. Für das dritte Quartal 2026 werden Daten aus einer Phase-2-Studie an Säuglingen sowie aus einer kontrollierten Humanchallenge-Studie (Phase 2b) erwartet – ein weiterer möglicher Katalysator für die Aktie in den kommenden Monaten.

Analystenhaus reagiert mit Aufstufung

Die jüngste Analystenreaktion fiel positiv aus: Am 11. August stufte TD Cowen die Aktie auf „Strong Buy“ hoch. Zuvor hatte das Haus mit der Erstaufnahme der Coverage eine „Buy“-Einstufung samt Kursziel von 12,00 US-Dollar vergeben und den entrisikoten Lyme-Impfstoffkandidaten als langfristigen Lizenztreiber genannt.

Der Kurssprung vom Freitag reiht sich in eine bereits laufende Erholungsbewegung ein, in der die Aktie binnen 30 Tagen um 39 Prozent zulegte. Der jüngste Anstieg trägt allerdings deutliche Signale einer überhitzten Kursbewegung – Anleger sollten die anstehende EMA-Prüfung und die Shigella-Daten als die eigentlichen Belastungsproben für die Neubewertung im Blick behalten, nicht allein die kurzfristige Kursdynamik.