Die Aktie von Valneva hat am Freitag einen Sprung um 27 Prozent auf 3,06 Euro verzeichnet. Auslöser war die Validierung der Zulassungsunterlagen für den Lyme-Impfstoffkandidaten PF-07307405 (auch bekannt als VLA15) durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA. Damit beginnt formal das reguläre Prüfverfahren in Europa, eine Entscheidung wird innerhalb von zwölf Monaten erwartet.
Phase-3-Daten als Basis der Zulassung
Der Impfstoff wird gemeinsam mit Pfizer entwickelt, das die exklusiven Rechte an Herstellung und Vermarktung hält. Pfizer bestätigte, dass der Zulassungsantrag auf Daten der Phase-3-Studie VALOR beruht, die bei Teilnehmern ab fünf Jahren eine Wirksamkeit von über 70 Prozent zeigte.
Die Investmentbank Stifel bezeichnete die EMA-Annahme des Antrags als bedeutendes Ereignis zur Risikominderung für die Investitionsthese. TD Cowen nahm die Coverage von Valneva mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 12 US-Dollar auf und verwies auf das entschärfte Risikoprofil des Impfstoffkandidaten sowie dessen Potenzial als langfristige Lizenzeinnahmequelle bis 2035.
Zahlen zum ersten Halbjahr trüben die Euphorie
Parallel zur regulatorischen Nachricht veröffentlichte Valneva am Donnerstag Zahlen zum ersten Halbjahr 2026. Der Gesamtumsatz sank auf 65,8 Millionen Euro, nach 91,0 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Der Nettoverlust weitete sich auf 63,3 Millionen Euro aus, was das Unternehmen auf den Rückzug aus dem Drittvertrieb und einmalige Belastungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff IXCHIQ zurückführt. Trotz dieser Belastungen bestätigte das Management die Jahresprognose: Produktumsätze zwischen 135 und 150 Millionen Euro, Gesamterlöse zwischen 145 und 160 Millionen Euro.
Zum 30. Juni verfügte Valneva über eine Kassenposition von 121,5 Millionen Euro, gestützt durch eine kürzlich platzierte Kapitalerhöhung über 84 Millionen Euro.
Gleichzeitig läuft eine globale Restrukturierung mit einem Stellenabbau von 10 bis 15 Prozent der Belegschaft, mit dem Ziel, die operativen Kosten 2026 gegenüber dem Vorjahr um 25 bis 35 Prozent zu senken.
Weitere Pipeline-Termine im Blick
Neben dem Lyme-Programm rückt auch die Shigella-Pipeline in den Fokus: Daten aus der Phase-2-Studie bei Säuglingen sowie aus der kontrollierten Infektionsstudie (CHIM) zum Kandidaten S4V2 werden für das dritte Quartal 2026 erwartet. Zudem stellte das Management einen neuen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium für den Japanische-Enzephalitis-Impfstoff IXIARO in Aussicht, nachdem frühere Lieferphasen ausgelaufen sind.
Markt reagiert mit deutlicher Kursbewegung
Der Kurssprung vom Freitag setzte eine bereits laufende Rally fort: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 39 Prozent zu Buche. Der jüngste Analystenkonsens, veröffentlicht am Sonntag nach den Halbjahreszahlen, hob das durchschnittliche Kursziel um 19 Prozent auf 5,23 Euro an – trotz einer gleichzeitig nach oben angepassten Verlusterwartung je Aktie auf 0,42 Euro für das Gesamtjahr. Damit bleibt die Aktie ein Fall, bei dem regulatorischer Fortschritt und operative Verluste gegeneinander abgewogen werden müssen. Ob die EMA-Prüfung binnen der kommenden zwölf Monate zu einer Zulassung führt, dürfte über die weitere Kursentwicklung entscheiden.
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