Am heutigen Montag erreicht der französische Impfstoffspezialist Valneva einen wichtigen Meilenstein seiner strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen schließt wie geplant den Abbau von rund 10 bis 15 Prozent seiner Belegschaft ab. Von der Maßnahme sind zwischen 67 und 101 Arbeitsplätze betroffen.

Dieser Schritt ist zentraler Bestandteil eines Sparprogramms, mit dem die operativen Ausgaben im laufenden Jahr um 25 bis 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden sollen. Notwendig wurde die Restrukturierung unter anderem durch eine deutliche Senkung der Umsatzprognose für das Gesamtjahr.

Lieferengpässe belasten das Geschäft mit IXCHIQ

Parallel zum Abschluss des Stellenabbaus kämpft das Unternehmen mit operativen Problemen bei seinem neuen Hoffnungsträger. Wie die britische Gesundheitsbehörde UKHSA am Freitag mitteilte, ist der Chikungunya-Impfstoff IXCHIQ für das Immunisierungsprogramm 2026/27 in Großbritannien derzeit nicht vorrätig. Während Valneva mit Lieferengpässen zu kämpfen hat, bleibt das Konkurrenzprodukt des Wettbewerbers Bavarian Nordic am britischen Markt verfügbar.

Diese Nachricht belastet die Stimmung zusätzlich, nachdem Valneva bereits vor rund zwei Wochen die Erwartungen an den Produktumsatz auf eine Spanne von 135 Millionen bis 150 Millionen Euro nach unten korrigiert hatte.

Grund hierfür ist eine schwächere Nachfrage nach Reiseimpfstoffen, die das Management auf geopolitische Faktoren zurückführt. Im heutigen Handel notiert das Papier bei 2,72 Euro, was einem Rückgang von 2,9 % entspricht. Dennoch liegt der Kurs mit einem Abstand von 13 % weiterhin über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,40 Euro.

Regulatorische Hürden für Lyme-Impfstoff in den USA

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor betrifft die Zusammenarbeit mit dem Partner Pfizer beim Impfstoffkandidaten gegen Lyme-Borreliose. Obwohl die Unternehmen trotz der vor rund zwei Wochen gemeldeten Ergebnisse der Phase-III-Studie VALOR an ihren Zulassungsplänen festhalten, drohen in den USA Verzögerungen. Die Wirksamkeit lag in der Studie zwar bei rund 70 bis 75 Prozent, verfehlte jedoch knapp die statistischen Schwellenwerte für einen Erfolg.

Medienberichten zufolge warnen Experten zudem vor bürokratischen Hindernissen für eine spätere Markteinführung: Die Auflösung des CDC-Beratergremiums ACIP im vergangenen Jahr und juristische Streitigkeiten über dessen Neubesetzung könnten die für den US-Markt essenziellen Erstattungsempfehlungen der Versicherer blockieren. In Europa hingegen hat der wissenschaftliche Prozess bereits begonnen, nachdem die EMA den Zulassungsantrag vor kurzem zur Prüfung angenommen hatte.

Finanzielle Lage und Analysteneinschätzung

Die finanzielle Situation des Unternehmens bleibt vorerst angespannt. Vor gut einer Woche meldete Valneva für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 63,3 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von 20,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Belastend wirkten hierbei unter anderem Stornierungsgebühren in der Produktion sowie Abschreibungen auf Vorräte.

Trotz der operativen Rückschläge halten einige Marktbeobachter an ihrer positiven Grundhaltung fest. Die Analysten von First Berlin senkten am 19. August zwar ihr Kursziel von 4,50 Euro auf 4,40 Euro, bestätigten jedoch ihre Einstufung mit „Buy“. Sie begründeten dies mit dem Übergang zu einem margenstarken Lizenzmodell.

Valneva stehen bei Erfolg des Lyme-Impfstoffs Meilensteinzahlungen von bis zu 243 Millionen US-Dollar sowie Umsatzbeteiligungen zwischen 14 und 22 Prozent durch Partner Pfizer zu. Neue Impulse erhofft sich der Markt zudem von Daten zum Shigella-Impfstoffkandidaten, die noch im laufenden Quartal erwartet werden.