Ein ETF, der auf 100 Aktien statt auf Tausende setzt, schlägt gerade den breiten Markt. Der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF schloss am Freitag bei 54,54 Euro. Damit fehlen nur noch 0,37 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 54,74 Euro, erreicht erst am 22. Juli 2026.

Der Fonds hat sich seit seinem Tief vor rund einem Jahr kräftig erholt. Am 1. August 2025 notierte er noch bei 42,37 Euro. Seither steht ein Plus von 28,74 Prozent zu Buche.

Strenge Filter statt reiner Renditejagd

Der Fonds bildet den Morningstar Developed Markets Large Cap Dividend Leaders Screened Select Index ab. Anders als klassische Weltindizes gewichtet dieser Index nicht nach Marktkapitalisierung. Er setzt auf ein mehrstufiges Auswahlverfahren, das stabile Ausschüttungen über pure Renditehöhe stellt.

Drei Kriterien entscheiden über die Aufnahme. Erstens: Das Unternehmen muss innerhalb der letzten zwölf Monate eine Dividende gezahlt haben. Zweitens darf die Dividende je Aktie nicht niedriger sein als vor fünf Jahren — das schließt Firmen mit wackliger Ausschüttungshistorie aus. Drittens deckelt der Index die Ausschüttungsquote bei 75 Prozent des Nettogewinns. Damit sollen Unternehmen keine Dividenden zahlen, die ihre Bilanz überfordern.

Konzentriertes Portfolio, ruhiger Kursverlauf

Aus diesem Sieb entsteht ein fokussiertes Portfolio: 100 Aktien mit nachweislich verlässlichem Cashflow. Zu den größten Positionen zählen aktuell Verizon Communications, TotalEnergies, Pfizer und Nestlé — Konzerne, die für stetige Ausschüttungen statt für Wachstumsfantasie stehen.

Das zeigt sich auch in der Kursruhe. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei nur 8,72 Prozent. Zum Vergleich: Technologiewerte schwanken deutlich stärker. Wer verlässliche Erträge sucht, ohne die Ausschläge wachstumsstarker Sektoren mitzunehmen, findet hier ein passendes Profil.

Anderer Ansatz als bei Wettbewerbern

Der VanEck-Fonds unterscheidet sich deutlich von breiter gestreuten Dividenden-ETFs. Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF etwa hält mehr als 2.100 Positionen weltweit. Der VanEck-Fonds konzentriert sich dagegen strikt auf 100 geprüfte Ausschütter.

Hinzu kommt ein methodischer Unterschied bei der Gewichtung. Der Index gewichtet nach dem absoluten Dividendenvolumen eines Unternehmens, nicht nach der prozentualen Rendite. Das verschiebt die geografische Balance spürbar. US-Werte, die in Standard-Weltindizes oft rund 70 Prozent ausmachen, spielen hier eine deutlich kleinere Rolle. Europäische Unternehmen mit ihrer traditionell großzügigen Ausschüttungskultur rücken stattdessen in den Vordergrund — ein Ausgleich für Portfolios, die sonst stark auf US-Technologiewerte setzen.

Value-Strategien im Aufwind

Die aktuelle Marktlage spielt dieser Ausrichtung in die Karten. Während Anleger Inflationstrends und Notenbankentscheidungen genau beobachten, erleben defensive, wertorientierte Strategien vielerorts ein Comeback. Der ETF verzeichnete allein in den vergangenen 30 Tagen ein Plus von 5,21 Prozent.

Bleibt die Ausrichtung auf Bilanzqualität und nachhaltige Ausschüttungspolitik so gefragt wie zuletzt, dürfte der Fonds sein Rekordhoch aus dem Juli in den kommenden Wochen testen.