An den Märkten vollzieht sich derzeit eine deutliche Verschiebung. Kapital fließt aus hochbewerteten Technologiewerten heraus und sucht sich neue Ziele in Finanzwerten, Industrie und Energie. Für den VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF könnte diese Rotation zum entscheidenden Rückenwind werden — vorausgesetzt, die Zahlen der großen US-Banken stützen die Erwartungen.

Der ETF notiert aktuell bei 53,19 Euro, nach einem minimalen Plus von 0,04 Prozent am Montag. Auf Jahressicht steht ein Anstieg von 24,68 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 9,99 Prozent. Der Fonds liegt damit 1,52 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 52,39 Euro.

Warum Anleger auf Value setzen

Die Analysten von deVere Group sprechen von einer „Mega-Rotation“ weg von Big Tech. Anleger suchen Diversifikation in Sektoren, die traditionell das Rückgrat dividendenstarker Strategien bilden.

Ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht hat diesen Trend verstärkt. Im Juni entstanden nur 57.000 neue Stellen — weniger als erwartet. Künstliche Intelligenz bleibt langfristig ein positiver Faktor für die Märkte. Kurzfristig bevorzugen Investoren jedoch den gleichgewichteten S&P 500 und klassische Value-Indizes.

Banken legen Zahlen vor

Am Dienstag, dem 14. Juli 2026, beginnt die Berichtssaison für das zweite Quartal. JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo öffnen ihre Bücher. Diese Termine dürften die kurzfristige Richtung dividendenstarker Fonds maßgeblich mitbestimmen.

Die Analysten von KBW rechnen mit kräftigem Wachstum. Sie erwarten einen Anstieg der Investmentbanking-Erlöse um 26 Prozent im Jahresvergleich. Die Handelserlöse sollen um 14 Prozent zulegen.

Für Dividendenanleger zählen dabei vor allem drei Faktoren:

  • Kapitalrückführungen: Erwartet werden höhere Aktienrückkäufe und Ausschüttungen.
  • Nettozinsertrag: Bank of America hatte ihre Prognose für 2026 bereits auf ein Wachstum von 6 bis 8 Prozent angehoben.
  • Kreditqualität: Die Fed hält ihren Leitzins nach Zinssenkungen von insgesamt 75 Basispunkten seit September 2025 aktuell zwischen 3,5 und 3,75 Prozent.

JPMorgan startet in die Berichtssaison nahe seinem Allzeithoch von rund 343 US-Dollar. Die Konsensschätzung für den Quartalsgewinn liegt bei 5,78 US-Dollar je Aktie.

Technisches Bild bleibt intakt

Der 14-Tage-RSI des ETF liegt bei 62,9. Das deutet auf solide Aufwärtsdynamik hin, ohne dass der Fonds bereits überkauft wäre. Vom 52-Wochen-Hoch von 54,48 Euro, erreicht im April 2026, trennen den ETF nur noch 2,37 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 42,27 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand bereits 25,82 Prozent.

Nicht alle Nischen im Dividendensegment laufen gleich gut. Business Development Companies mussten im Juli wegen der Zinssenkungen der Fed einige Ausschüttungen kürzen. Breit gestreute Dividendenfonds aus entwickelten Märkten zeigten sich bislang widerstandsfähiger.

Institutionelle Anleger bauen ihre Positionen in diesem Bereich derweil weiter aus. Die Private Advisor Group etwa erhöhte im ersten Halbjahr ihre Bestände in internationalen und Emerging-Market-Dividendenfonds deutlich.

Diese Woche liefert weitere Signale. Am Dienstag folgen die US-Verbraucherpreise für Juni, am Mittwoch die Erzeugerpreise. Zusammen mit den Bankbilanzen dürfte sich zeigen, ob die Rotation in Value-Sektoren auf soliden Unternehmensgewinnen aufbaut — oder ob dem ETF auf dem Weg zu neuen Jahreshochs die fundamentale Basis fehlt.