China hat seine Rare-Earth-Ausfuhren im September spürbar hochgefahren. Laut Reuters, gestützt auf Daten der chinesischen Zollbehörde, stiegen die Exporte im Jahresvergleich um 6,7 Prozent. Die Auslandsnachfrage habe sich nach einer Sommerflaute wieder belebt.
Für Anleger im VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) ist das keine gute Nachricht: Der Fonds bildet die These ab, dass westliche Produzenten knapper werdende Lieferketten außerhalb Chinas monetarisieren können. Genau diese Knappheitsprämie bröckelt gerade.
Diplomatische Annäherung verstärkt den Druck
Verstärkt wird der Effekt durch politische Signale. China und die EU erzielten am 9. Oktober eine vorläufige Verständigung, die unter anderem Maßnahmen zur Stabilisierung der Lieferketten für Seltene Erden vorsieht – die Vereinbarung bedarf allerdings noch der Zustimmung der EU-Staats- und Regierungschefs.
Am 16. Oktober erklärte Chinas Handelsministerium zudem, man sei bereit, Exportlizenzen für die EU weiter zu erleichtern, verlangte im Gegenzug aber Entgegenkommen bei dual-use-relevanten Genehmigungen auf europäischer Seite.
Medienberichten zufolge wurde die Entspannung der diplomatischen Spannungen zwischen den USA und China am Montag als Grund für fallende Kurse bei USA Rare Earth, MP Materials und Critical Metals genannt – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Verknappungs-Erzählung der heimischen Produzenten neu bewerten.
Breite Verkaufswelle statt Einzeltitel-Problem
Die Abwärtsbewegung beschränkt sich nicht auf einen Wert. Auch Lynas Rare Earths geriet am 15. Oktober in einen breiteren Ausverkauf australischer Rohstofftitel, ohne dass unternehmensspezifische Auslöser erkennbar waren. Das deutet darauf hin, dass der gesamte Sektor unter dem gleichen Narrativ-Wandel leidet: Wenn China liefert statt rationiert, verliert die These vom strukturellen Engpass außerhalb Chinas an Überzeugungskraft – und mit ihr die Bewertungsprämie der im ETF enthaltenen Produzenten.
Der Fonds selbst lieferte in den vergangenen zwei Wochen keine eigene Nachricht. Weder gab es eine Mitteilung des Emittenten VanEck, noch eine gemeldete Veränderung bei Indexzusammensetzung oder Mittelflüssen, noch eine frische Analysteneinschätzung zu einem der Portfoliotitel. Der Kursverlauf speist sich damit ausschließlich aus dem makropolitischen und sektorweiten Umfeld, nicht aus fondsspezifischen Ereignissen.
Was die Kursreaktion widerspiegelt
Am Freitag schloss der ETF bei 9,61 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 10 Prozent zu Buche – ein Tempo, das die zunehmende Skepsis gegenüber der Knappheitsthese direkt widerspiegelt.
Die Kombination aus höheren chinesischen Exportzahlen, der EU-China-Annäherung und der sektorweiten Verkaufswelle bei Einzeltiteln wie Lynas erklärt, warum der Fonds derzeit so stark unter Druck steht: Jedes einzelne Signal für sich wäre verkraftbar, in der Summe erschüttern sie aber das Fundament, auf dem die Investmentstory westlicher Seltene-Erden-Produzenten aufgebaut war.
Ob sich die Lage stabilisiert, hängt maßgeblich davon ab, ob die EU-China-Vereinbarung tatsächlich von den Staats- und Regierungschefs abgesegnet wird und ob China das höhere Exporttempo aus dem September fortsetzt. Beides bleibt vorerst offen.
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