Der VanEck Seltene Erden ETF bleibt unter Druck – und ein neuer geopolitischer Konflikt um einen australischen Förderer zeigt, wie fragil die Lieferketten abseits Chinas weiterhin sind.
Australiens Ressourcenministerin Madeleine King erklärte am Mittwoch, eine Verstaatlichung des Seltene-Erden-Entwicklers Northern Minerals sei „eine Option“, nachdem china-verbundene Investoren sich weiterhin weigerten, ihre Anteile wie angeordnet zu veräußern. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, betonte sie.
Browns Range im Fokus des Streits
Im Zentrum steht das Browns-Range-Projekt von Northern Minerals, eine der wenigen potenziellen Quellen für die schweren Seltenerdmetalle Dysprosium und Terbium außerhalb Chinas. Gerade diese schweren Varianten gelten als besonders kritisch für Hochleistungsmagnete in Windturbinen, Elektromotoren und Rüstungstechnik.
Dass Canberra offen über eine Verstaatlichung nachdenkt, unterstreicht, wie ernst westliche Regierungen die Abhängigkeit von chinesischem Kapital selbst bei Projekten außerhalb Chinas inzwischen nehmen.
Für Anleger im VanEck-ETF, der breit in Förderer und Verarbeiter der Branche investiert ist, bedeutet das zusätzliche regulatorische Unsicherheit bei einem Schlüsselwert der Diversifizierungsstrategie weg von China.
Parallel dazu meldete sich Peking selbst zu Wort: Ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, He Yadong, erklärte, China sei bereit, weiterhin Exportlizenzen für Seltene Erden nach Europa zu genehmigen – auch über die im Januar auslaufende Frist des Handelsstillhaltens mit den USA hinaus.
Die chinesischen Exportzahlen für September fielen dabei gemischt aus: Mit 4.269,8 Tonnen lagen sie zwar 6,7 Prozent über dem Vorjahreswert, aber 9,8 Prozent unter dem August-Niveau. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 summierten sich die Exporte auf 43.711 Tonnen, ein Rückgang von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Europa sucht Alternativen
Die Europäische Union treibt derweil ihre Diversifizierungsbemühungen weiter voran. Reuters berichtete, dass EU-Dokumente ein stärkeres Engagement mit Vietnam als Alternative zu China bei kritischen Mineralien fordern – eine direkte Reaktion auf die Störungen der Lieferketten durch Pekings Exportbeschränkungen.
Solche Initiativen zeigen, dass der Aufbau Chinas-unabhängiger Förder- und Verarbeitungskapazitäten politisch oben auf der Agenda steht, auch wenn der Prozess Jahre dauern dürfte.
Am Kapitalmarkt kommt davon bislang wenig an. Der ETF schloss am Freitag bei 9,61 Euro, nur 2,1 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 9,41 Euro. Binnen 30 Tagen hat das Papier 17 Prozent verloren, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 23 Prozent.
Die Kursschwäche spiegelt, dass Anleger trotz geopolitischer Aufmerksamkeit für die Branche derzeit vor allem die kurzfristige Unsicherheit einpreisen – ob durch Streitigkeiten um Eigentumsrechte bei Projekten wie Browns Range oder durch die Volatilität der chinesischen Exportpolitik.
Für den Sektor bleibt die Grundspannung bestehen: Der Westen will unabhängiger von China werden, doch Peking hält weiterhin die Kontrolle über den Großteil des globalen Angebots.
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