Der VanEck Seltene Erden ETF notiert bei 9,46 Euro und damit nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 9,41 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde. Die Branche liefert derzeit widersprüchliche Signale: Während ein großer chinesischer Verarbeiter seine Anteile an Schlüsselbetrieben verkauft, steigen gleichzeitig die chinesischen Exportmengen.

Shenghe verkauft Anteile an Staatskonzern

Shenghe Resources hat angekündigt, Mehrheitsbeteiligungen von 51 Prozent an vier Tochtergesellschaften für Schmelz- und Trennprozesse an die China Rare Earth Group Industrial Development Co. zu verkaufen. Der Gesamterlös der Transaktion soll zwischen 1,66 und 1,81 Milliarden Yuan liegen, wie Reuters berichtete.

Die Deals bedürfen noch der Zustimmung der Aktionäre von Shenghe. Für den ETF selbst ist dies keine direkte Transaktion, doch die Konsolidierung der Verarbeitungskapazitäten in staatlicher Hand unterstreicht den wachsenden Einfluss Pekings auf die gesamte Lieferkette seltener Erden – ein Faktor, der die im Index vertretenen Unternehmen mittelbar betrifft.

Exporte legen zu, Lizenzpolitik bleibt zweischneidig

Parallel dazu meldete China für September einen Anstieg der Seltene-Erden-Exporte um 6,7 Prozent im Jahresvergleich, wie aus Zolldaten hervorgeht, über die Reuters berichtete. Das chinesische Handelsministerium erklärte zudem, man sei bereit, die Genehmigung von Exportlizenzen für die EU weiter zu erleichtern, verlangte im Gegenzug aber eine entsprechende Erleichterung bei chinesischen Anträgen für Dual-Use-Güter.

Diese Gegenseitigkeits-Bedingung zeigt, dass Chinas Exportpolitik trotz steigender Mengen ein politisches Druckmittel bleibt – die Lieferkette ist entspannter, aber keineswegs frei von Risiken.

Kursreaktion fällt verhalten aus

Trotz dieser eigentlich gemischten bis leicht positiven Nachrichtenlage zeigt sich der ETF unbeeindruckt. Mit minus 7,8 Prozent auf Wochensicht setzt sich der Abwärtstrend fort, der den Fonds mittlerweile rund 50 Prozent unter sein 52-Wochen-Hoch von 18,76 Euro gedrückt hat.

Anleger scheinen die strukturelle Konsolidierung der chinesischen Industrie – trotz steigender Exportvolumina – eher als Zeichen wachsender Marktmacht Pekings zu werten denn als Entwarnung für westliche Lieferketten.

Für Investoren bleibt die Gemengelage komplex: Höhere Exportzahlen und eine kooperativere Lizenzpolitik gegenüber der EU sprechen grundsätzlich für eine Entspannung.

Die fortschreitende Verstaatlichung der Verarbeitungskapazitäten in China, wie sie der Shenghe-Deal zeigt, deutet jedoch auf eine langfristige Strategie hin, die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette zu zentralisieren. Diese Unsicherheit über die künftige Marktstruktur dürfte den Abwärtsdruck auf den Fonds vorerst nicht lindern.