Der VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) notiert am heutigen Dienstag bei 8,80 Euro und verliert damit 1,5 Prozent. Der Fonds bewegt sich nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 8,74 Euro, das Anfang November markiert wurde. Grund für die anhaltende Schwäche ist eine diffuse Gemengelage aus widersprüchlichen Handelsdaten und offenen Fragen zur chinesischen Exportpolitik.
Exportzahlen zeichnen kein einheitliches Bild
Chinesische Zolldaten, über die Reuters berichtete, zeigten für September einen Anstieg der Seltenerd-Exporte um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Zeichen für eine Erholung der Nachfrage nach einer schwachen Sommerphase. Die South China Morning Post berichtete zudem, dass Chinas Exporte von Seltenerd-Magneten in die USA und die EU im September wieder anzogen.
Gleichzeitig zeichnete die Silverado Policy Accelerator in ihrem Oktober-Handelsbericht ein nüchterneres Bild: Die Exporte kontrollierter Seltenerd-Verbindungen und -Metalle aus China lagen im September weiterhin unter historischen Niveaus.
Zwar erreichten die Magnetexporte in die USA bereits zum zweiten Mal binnen drei Monaten ein normales historisches Niveau, doch die US-Importe von Magneten blieben über das laufende Jahr hinweg unter dem Niveau von 2024. Die Erholung ist damit selektiv und noch nicht breit angelegt.
Abnehmer suchen Alternativen zu chinesischem Material
Die Unsicherheit über die Versorgungslage zeigt bereits Folgen auf der Nachfrageseite. Reuters berichtete, dass TSMC bei Zulieferern nach Fabrikautomatisierungs-Motoren ohne seltenerdhaltige Materialien angefragt habe – aus Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen durch chinesische Exportkontrollen.
Das Vorgehen des Chipherstellers ist kein Signal des ETF-Emittenten, sondern illustriert, wie Industrieunternehmen versuchen, ihre Abhängigkeit von chinesischem Material zu verringern. Für die im Index vertretenen Seltenerd-Förderer und -Verarbeiter wäre eine solche Substitution langfristig ein Risiko für die Nachfrage.
Parallel dazu bleibt die politische Lage unübersichtlich. Die Global Trade Alert wies darauf hin, dass China seine Exportkontrollen in anderen Sektoren weiter ausweitet, während das Seltenerd-Kontrollpaket vom Oktober 2025 ausgesetzt bleibt – ein Hinweis darauf, dass die Aussetzung keineswegs eine grundsätzliche Abkehr von der Kontrollpolitik bedeutet.
Breiter Ausverkauf trifft Minensektor
Am 30. Oktober kam es laut Medienberichten zu einem breiteren Ausverkauf bei Bergbau- und Technologiewerten, der auch Seltenerd-Aktien erfasste – ein unabhängiger Branchenindex für Seltenerd-Aktien fiel an diesem Tag um 4,83 Prozent. Ein seltenerd-spezifischer Auslöser für den Rückgang ließ sich den Berichten zufolge nicht klar identifizieren; vielmehr handelte es sich um eine marktweite Risikoaversion.
Technisch spiegelt sich die Verunsicherung in den Kennzahlen des ETF wider: Der Relative-Stärke-Index von 24,3 signalisiert eine stark überverkaufte Lage, während der Fonds mit einem Abstand von 38 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt und 30 Prozent im Minus seit Jahresbeginn liegt. Die Volatilität von 27 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie nervös der Handel in diesem Segment bleibt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage schwer zu entwirren: Erholte Magnetexporte stehen strukturell gedämpften Gesamtausfuhren gegenüber, während Großabnehmer wie TSMC bereits an Alternativen arbeiten. Solange keine klare Richtung erkennbar ist, dürfte der Fonds in seiner angespannten Handelsspanne verharren.
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