Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Freitag bei 92,15 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 8,83 Prozent zu Buche, nach 30 Tagen sind es 9,78 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 111,18 Euro, erreicht am 30. Juni, trennen den Fonds inzwischen 17,12 Prozent.

Moonshot AI setzt Chip-Werte unter Druck

Auslöser der Talfahrt ist Kimi K3, ein Open-Source-Sprachmodell des chinesischen Anbieters Moonshot AI mit 2,8 Billionen Parametern. Reuters berichtete, das Modell beanspruche Wettbewerbsfähigkeit mit US-Systemen von Anthropic und OpenAI, bei deutlich niedrigeren Preisen und einer für Ende Juli angekündigten vollständigen Freigabe der Modellgewichte. Die Ankündigung, präsentiert auf der World AI Conference in Shanghai, ließ Anleger an der Notwendigkeit der milliardenschweren US-Investitionen in KI-Infrastruktur zweifeln. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor in der Woche rund 12,5 Prozent, den stärksten Wochenverlust seit 15 Monaten. Einzelwerte wie Applied Materials gaben an einem Tag über fünf Prozent nach, Nvidia und Micron ebenfalls im niedrigen einstelligen Bereich. In Hongkong brachen Titel chinesischer KI-Konkurrenten wie Zhipu und MiniMax zweistellig ein, während Moonshot selbst nach eigenen Angaben eine Finanzierungsrunde von zwei Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar anstrebt und einen Börsengang in Hongkong prüft.

Rekordzahlen von TSMC und ASML bremsen Verkaufswelle nicht

Bemerkenswert ist, dass die Verkaufswelle trotz starker Geschäftszahlen der wichtigsten Zulieferer anhielt. Taiwan Semiconductor Manufacturing meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 40,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer vierten Quartalsfolge in Serie mit steigender Bruttomarge von 67,7 Prozent. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 44,6 und 45,8 Milliarden Dollar in Aussicht, die Jahresprognose hob TSMC auf ein Wachstum von etwas über 40 Prozent an. Die Investitionen für 2026 wurden auf 60 bis 64 Milliarden Dollar erhöht, hinzu kommt eine zusätzliche Investition von 100 Milliarden Dollar in Arizona, die das Gesamtvolumen dort laut einer Truth-Social-Mitteilung von US-Präsident Trump auf 265 Milliarden Dollar treibt. Auch ASML hob seine Jahresprognose bereits zum zweiten Mal an und sprach von einer außergewöhnlich starken Auftragsdynamik. Dennoch fielen beide Aktien am Berichtstag, TSMC um 2,96 Prozent, ASML um 2,06 Prozent – ein Zeichen dafür, dass geopolitische Sorgen und Bewertungsfragen die operative Stärke derzeit überlagern.

Die Analysten von UBS und Barclays halten trotz des Einbruchs an ihrer positiven Einschätzung fest. UBS rechnet für die im Philadelphia Semiconductor Index gelisteten Unternehmen 2026 mit einem operativen Gewinnwachstum von 92 Prozent, 2027 sollen weitere 40 Prozent folgen. Barclays sieht in dem Ausverkauf keine Panik, sondern vor allem passives Rebalancing der Portfolios. Der Branchenverband WSTS erwartet für den globalen Halbleitermarkt ein Wachstum von 90 Prozent im laufenden Jahr und 27 Prozent im kommenden Jahr; im Mai habe sich das Umsatzwachstum bereits auf 119 Prozent gegenüber dem Vorjahr beschleunigt, nach 106 Prozent im April.

Institutionelle Anleger bauen Positionen weiter aus

Parallel zur Kursschwäche bauten mehrere US-Vermögensverwalter ihre Positionen im VanEck Semiconductor ETF im ersten Quartal 2026 aus. Assetmark stockte seinen Bestand um 25 Prozent auf, Fifth Third Bancorp erhöhte seine Position sogar um mehr als das 32-fache, Hanseatic Management Services tätigte eine Neuinvestition im Volumen von 2,3 Millionen Dollar, und Vision Retirement steigerte seinen Bestand um 16,2 Prozent. Nach Medienberichten flossen im ersten Quartal insgesamt rund 25 Milliarden Dollar in Halbleiter-ETFs, trotz des zwischenzeitlichen Kursrückgangs.

Für den europäischen VanEck-Fonds bleibt die Ausgangslage zweigeteilt: Auf Jahressicht steht seit Jahresbeginn ein Plus von 72,99 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 119,09 Prozent. Der jüngste Rückschlag zeigt jedoch, wie sensibel der Sektor auf neue Konkurrenzsignale aus China reagiert – selbst wenn die fundamentalen Wachstumszahlen der Branche laut Analystenhäusern intakt bleiben.