Der VanEck Semiconductor UCITS ETF, der die Entwicklung der wichtigsten Chip-Werte abbildet, spiegelt diesen Ausverkauf direkt wider. Am Freitag schloss der Fonds bei 92,15 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sieben-Tage-Sicht summiert sich der Rückgang auf 8,83 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch, das der Fonds Ende Juni erreicht hatte, beträgt der Abstand inzwischen 17,12 Prozent.
Kimi K3 als Auslöser der Verkaufswelle
Ausgangspunkt der Talfahrt ist die Vorstellung des KI-Modells Kimi K3 durch das chinesische Unternehmen Moonshot AI am 17. Juli 2026. Das offene Sprachmodell mit 2,8 Billionen Parametern und einem Kontextfenster von einer Million Token soll laut mehreren Berichten in der Leistung nahe an die Modelle von Anthropic und OpenAI heranreichen, kostet aber nur einen Bruchteil davon. Die Analyseplattform Arena.ai setzte Kimi K3 auf den ersten Platz im Coding-Ranking, Artificial Analysis platzierte das Modell weltweit auf Rang drei. Ab dem 27. Juli sollen die Gewichte offen zugänglich sein.
Die Ankündigung löste an den Börsen Erinnerungen an den „DeepSeek-Moment“ von Anfang 2025 aus. Anleger befürchten, dass günstigere chinesische KI-Modelle die milliardenschweren Investitionen in Chip-Infrastruktur der US-Techkonzerne infrage stellen könnten. In Hongkong brachen die Aktien von Zhipu (Z.ai) um bis zu 28 Prozent ein, MiniMax verlor rund 16 Prozent. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der die Wertentwicklung der großen US-Chiphersteller misst, fiel in der Woche um rund 10 bis 12,5 Prozent und liegt damit gut 20 Prozent unter seinem Rekordhoch aus dem Juni – definitionsgemäß ein technischer Bärenmarkt. Goldman Sachs bezeichnete den Ausverkauf als einen der größten Momentum-Sell-offs, die je verzeichnet wurden, ausgelöst auch durch die Auflösung von Hedgefonds-Positionen, die auf steigende Halbleiterwerte und fallende Cloud-Aktien gesetzt hatten.
Einzelwerte unter Druck, TSMC trotz starker Zahlen im Minus
Der Ausverkauf traf praktisch alle großen Namen der Branche. Micron, Arm und Intel liegen den Berichten zufolge inzwischen mehr als 30 Prozent unter ihren jeweiligen Höchstständen. Taiwan Semiconductor Manufacturing verzeichnete an sieben aufeinanderfolgenden Handelstagen Verluste von zusammen 8,8 Prozent – trotz eines Quartalsumsatzes, der im zweiten Quartal um 36 Prozent auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar zulegte, und einer Bruttomarge von 67,7 Prozent. Der Speicherchip-Hersteller Kioxia stürzte an einem einzelnen Handelstag um mehr als 16 Prozent ab und liegt damit rund die Hälfte unter seinem Juni-Hoch. SK Hynix verlor als American Depositary Receipt zweistellig, SanDisk und Seagate gaben ebenfalls deutlich nach. Analysten verweisen darauf, dass die Markterwartungen der Branche zuletzt deutlich vorausgelaufen waren – der SOX hatte zwischen dem Tief im März und dem Hoch im Juni um 105 Prozent zugelegt.
Gegenläufige Signale kommen aus dem Bereich der KI-Infrastruktur selbst: Laut einem Bericht der New York Times verhandeln Anthropic und Meta über einen Rechenzentrums-Leasingvertrag im Volumen von 10 Milliarden Dollar über zwei Jahre. Meta plant für 2026 ein Investitionsbudget von bis zu 145 Milliarden Dollar, Anthropic zahlt bereits monatlich 1,25 Milliarden Dollar an SpaceX für den Supercomputer Colossus. Solche Deals stützen die These, dass die Nachfrage nach Rechenkapazität trotz des Preisdrucks durch günstigere chinesische Modelle intakt bleibt.
Ausblick: Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Als nächsten wichtigen Termin nennen mehrere Berichte die Quartalszahlen von Alphabet am 22. Juli, gefolgt von Microsoft, Amazon und Meta. Deren Ausgabenpläne für KI-Infrastruktur dürften mitentscheiden, ob sich die Verkaufswelle fortsetzt oder ob Investoren die Korrektur als Einstiegschance werten. Manche Analysten sehen im aktuellen Rückgang bereits eine Kaufgelegenheit, sofern die KI-Investitionen der großen Cloud-Anbieter robust bleiben. Für den VanEck Semiconductor UCITS ETF bedeutet das: Die kommenden Wochen dürften stark von den Kommentaren der Chipkunden zu ihren Investitionsbudgets geprägt sein, weniger von der Technologie der Chiphersteller selbst.
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