Der Halbleitersektor verzeichnet eine deutliche Belebung der Investorenstimmung, die sich in massiven Kapitalzuflüssen für den VanEck Semiconductor ETF niederschlägt. Nachdem starke Quartalszahlen des Branchenprimus NVIDIA den Markt elektrisierten, sorgt am heutigen Montag eine angehobene Umsatzprognose des europäischen Schwergewichts ASML für weiteren Optimismus in der Branche.

Trendwende bei den Fondszuflüssen

Nach einer Phase monatlicher Mittelabflüsse kehrte sich der Trend beim VanEck Semiconductor ETF zuletzt eindrucksvoll um. Medienberichten zufolge verzeichnete der Fonds am Samstag einen Nettozufluss von 1,81 Milliarden US-Dollar innerhalb von nur fünf Handelstagen.

Ein Großteil dieser Mittel floss dem ETF am vergangenen Mittwoch zu, als an einem einzigen Tag Investitionen in Höhe von 1,39 Milliarden US-Dollar registriert wurden. Dies markiert den höchsten Tageszufluss unter den branchenspezifischen ETFs in diesem Zeitraum.

Diese Entwicklung folgt auf einen schwierigen Monat, in dem der Fonds Nettoabhebungen von 1,29 Milliarden US-Dollar hinnehmen musste. Trotz dieser kurzfristigen Volatilität belaufen sich die Zuflüsse seit Jahresbeginn auf insgesamt 6,85 Milliarden US-Dollar.

Auf technischer Ebene definierte der ETF zuletzt wichtige Pivot-Punkte bei 564,93 US-Dollar auf der Oberseite und 551,59 US-Dollar auf der Unterseite, die nun als Marken für das weitere Momentum dienen.

Schwergewichte treiben den Sektor

Wesentlicher Impulsgeber für die Erholung ist NVIDIA, die mit einer Gewichtung von rund 22 Prozent die größte Position im Portfolio des ETFs einnimmt.

Am vergangenen Mittwoch meldete der Konzern für sein zweites Quartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten von 92,2 Milliarden US-Dollar deutlich. Für das laufende dritte Quartal stellte das Management Erlöse in Höhe von 108 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

In der Folge passten mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen an. Harlan Sur von J.P. Morgan bestätigte am Freitag seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel für die NVIDIA-Aktie von 280 auf 320 US-Dollar an. Analyst Mark Lipacis von Evercore ISI verwies bereits am Donnerstag auf einen langfristigen Auftragsbestand von 160 Milliarden US-Dollar und setzte ein Kursziel von 465 US-Dollar fest.

Zusätzlichen Rückenwind erhält der Sektor am heutigen Montag durch ASML. Der niederländische Ausrüster für die Chipherstellung hob seine Umsatzprognose für das Jahr 2026 auf eine Spanne von 43 Milliarden bis 45 Milliarden Euro an. Zuvor war das Unternehmen von 36 Milliarden bis 40 Milliarden Euro ausgegangen.

Als Grund nannte ASML eine Rekordnachfrage nach Anlagen für die Wafer-Produktion. Analysten der Bank of America bezeichneten den Wert in einer am Sonntag veröffentlichten Studie als Top-Favoriten und verwiesen auf eine attraktive Bewertung im historischen Vergleich.

Ausblick auf Broadcom und regulatorische Risiken

Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf den kommenden Mittwoch, den 2. September, wenn mit Broadcom ein weiteres Schwergewicht des ETF-Portfolios seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen wird.

Der Markt erwartet hier einen Umsatz von 29,44 Milliarden US-Dollar. Bereits im Vorfeld hoben Marktbeobachter das Kursziel für Broadcom an, wobei insbesondere die bereinigten EBIT-Margen von über 67 Prozent im Bereich der kundenspezifischen Chips hervorgehoben wurden.

Flankiert wird die fundamentale Stärke des Sektors jedoch von politischen Unsicherheiten. Medienberichten zufolge prüft die US-Regierung derzeit die Einführung umfassenderer Zölle auf Halbleiterprodukte. Solche Maßnahmen könnten die globalen Lieferketten erheblich beeinflussen und insbesondere die in den USA gelisteten Chiphersteller vor neue Herausforderungen stellen.

Trotz dieser potenziellen Handelshemmnisse signalisieren die jüngsten Prognosen von Unternehmen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), das für das dritte Quartal einen Umsatz zwischen 44,6 Milliarden und 45,8 Milliarden US-Dollar erwartet, eine anhaltend robuste Nachfrage im globalen Chipmarkt.