Der Halbleitermarkt zeigt nach einer intensiven Korrekturphase erste Anzeichen einer Stabilisierung. Nachdem der Philadelphia Semiconductor Index eine achttägige Verlustserie mit einem kumulierten Minus von rund 15,7 Prozent hinnehmen musste, gelang dem Branchenbarometer gestern ein Zuwachs von 1,6 Prozent.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Kursverlauf des VanEck Semiconductor UCITS ETF wider, der sich in einem Spannungsfeld aus starken Quartalsergebnissen der Marktführer und makroökonomischen Sorgen bewegt.
Rekordgewinne und Lieferengpässe bei Branchenführern
Maßgebliche Impulse für den Sektor kamen zuletzt von den Schwergewichten der Branche. Laut Reuters meldete der Auftragsfertiger TSMC am vergangenen Donnerstag einen Rekordgewinn für das dritte Quartal. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 69 Prozent auf 763,1 Milliarden Taiwan-Dollar.
Für das vierte Quartal prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz zwischen 52,3 Milliarden und 54,3 Milliarden US-Dollar. Trotz dieser starken Zahlen äußerte sich die Führung von TSMC mit Blick auf das Jahr 2027 vorsichtig und verwies auf bestehende makroökonomische Unsicherheiten.
Parallel dazu unterstreicht die Lage beim Ausrüster ASML die anhaltend hohe Nachfrage nach Produktionskapazitäten. Wie das Unternehmen am vergangenen Mittwoch mitteilte, übersteigt die Kundennachfrage nach den benötigten Werkzeugen das aktuelle Angebot bis ins Jahr 2028 hinein.
Kunden führen demnach bereits Gespräche über Aufträge für die Jahre 2029 und 2030. Infolgedessen hob ASML die Umsatzprognose für das Jahr 2026 auf eine Spanne von 44 Milliarden bis 45 Milliarden Euro an. Für das vierte Quartal des laufenden Jahres erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 14,2 Milliarden und 15,2 Milliarden Euro.
Zinsängste und Finanzierungsfragen belasten die Stimmung
Trotz der soliden Fundamentaldaten einzelner Unternehmen belasteten zuletzt übergeordnete Marktthemen die Bewertung der Chipwerte. Medienberichten zufolge führten insbesondere Sorgen um die Finanzierung der umfangreichen Infrastruktur für Künstliche Intelligenz sowie die Erwartung höherer Zinssätze zu dem jüngsten Ausverkauf im Sektor.
Die Dynamik der vergangenen Wochen hat dazu geführt, dass der VanEck Semiconductor UCITS ETF an Boden verloren hat. Mit einem aktuellen Kurs von 89,02 Euro notiert das Papier am heutigen Dienstag 1,5 Prozent tiefer.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das Ende Juni bei 111,18 Euro markiert wurde, hat sich damit auf minus 20 Prozent ausgeweitet. Damit befindet sich der Wert technisch in einem Korrekturmodus, obwohl die langfristige Bilanz weiterhin positiv ausfällt. Seit Jahresbeginn konnte der ETF seinen Wert um 67 Prozent steigern, was die massive Outperformance des Sektors über das gesamte Jahr hinweg verdeutlicht.
Anlegerstimmung und Mittelzuflüsse
Ein Indikator für das anhaltende Vertrauen institutioneller Investoren in das Thema Halbleiter lieferten Daten zur US-notierten Variante des Fonds. Bloomberg berichtete am vergangenen Donnerstag von Zuflüssen in Höhe von mehr als 430 Millionen US-Dollar innerhalb von nur drei Handelstagen. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Kursrücksetzer von einigen Marktteilnehmern als Einstiegsgelegenheit genutzt werden, während andere die Volatilität aufgrund der unklaren Zinsperspektiven fürchten.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die starken operativen Ergebnisse von Unternehmen wie TSMC und ASML ausreichen, um die makroökonomischen Bedenken dauerhaft zu überlagern.
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