Ein Kurseinbruch von mehr als 15 Prozent bei SK Hynix. Neue Exportbeschränkungen für Nvidia in Asien. Und mittendrin ein ETF, der trotzdem im Jahresverlauf um fast 78 Prozent zugelegt hat. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF steckt gerade in einem handfesten Spannungsfeld zwischen Regulierungsdruck und langfristigem Boom.
Am Montag brach der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) um rund 3,6 Prozent ein. Der VanEck-ETF schloss bei 97,63 Euro. Grund für den Rücksetzer: verschärfte Kontrollen bei Nvidia sowie Nervosität vor den Quartalszahlen von ASML und TSMC, die in dieser Woche anstehen.
Nvidia schränkt Kunden in Asien ein
Nvidia hat laut Berichten vom 13. und 14. Juli seine Liste autorisierter Käufer für High-End-KI-Chips in Singapur, Malaysia und Japan um mehr als die Hälfte gekürzt. Der Chiphersteller führt eine neue „White List“ ein und verschärft seine Prüfprozesse. Ziel ist es, zu verhindern, dass fortschrittliche Hardware über Umwege nach China gelangt.
Die Aktie reagierte prompt: Nvidia verlor am Montag rund 3,4 Prozent. Für den ETF ist das keine Randnotiz — Nvidia zählt zu den Kern-Positionen des Fonds. Die regulatorische Verschärfung trifft zudem auf ohnehin wachsende Bewertungssorgen unter Analysten.
Trotz der aktuellen Schwäche bleibt die längerfristige Bilanz beeindruckend. Der Fonds notiert aktuell 12,19 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro, das er am 30. Juni erreichte. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 137,05 Prozent zu Buche.
ASML als Richtungsgeber für die ganze Branche
Am Mittwoch, den 15. Juli, legt ASML seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Nettogewinn von etwa 2,61 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 8,8 Milliarden Euro. Mindestens genauso wichtig wie die Zahlen selbst dürfte der aktualisierte Jahresausblick werden — aktuell rechnet der Markt mit einer Umsatzspanne zwischen 36 und 40 Milliarden Euro für 2026.
ASML ist weltweit der einzige Hersteller von EUV-Lithografiemaschinen. Die Zahlen des Unternehmens gelten deshalb als früher Indikator für den gesamten KI-Infrastruktur-Zyklus. Die US-Exportkontrollen hinterlassen bereits deutliche Spuren: Chinas Anteil an ASMLs Systemverkäufen fiel von 36 Prozent Ende 2025 auf nur noch rund 19 Prozent Anfang 2026. Jede weitere Verschärfung des China-Ausblicks dürfte den gesamten Zulieferer-Sektor belasten.
Broadcom und Speicherchips geraten unter Druck
Auch Broadcom, ein weiteres Schwergewicht im ETF, musste am Montag Federn lassen. Die Aktie fiel um 4,0 Prozent und rutschte unter die 400-Dollar-Marke. Auslöser waren Berichte über Insider-Verkäufe durch Führungskräfte sowie eine allgemeine Rotation weg von hoch bewerteten Tech-Titeln.
Verstärkt wurde der Ausverkauf durch den südkoreanischen Speicherchip-Spezialisten SK Hynix. Die in Seoul notierte Aktie brach am Montag um mehr als 15 Prozent ein und zog weitere Speicherchip-Werte mit nach unten.
Die kurzfristige Marktlage bleibt angespannt, das Gesamtbild des ETFs zeigt sich aber robust. Der Fonds notiert derzeit 1,30 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 96,38 Euro. Der RSI (14 Tage) liegt bei 47,6 — weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von knapp 64 Prozent zeigt allerdings, wie nervös der Sektor aktuell reagiert.
Die Berichtssaison der großen Tech-Konzerne beginnt gerade erst. Mit ASML am Mittwoch und TSMC im Anschluss stehen zwei Ergebnisse an, die zeigen dürften, ob die Nachfrage nach KI-Hardware trotz der neuen Handelsbeschränkungen intakt bleibt.
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