Der VanEck Semiconductor UCITS ETF steckt mitten in einer Branche, die von zwei Seiten gleichzeitig Rückenwind bekommt. Während in den USA milliardenschwere KI-Finanzierungspläne die Fantasie befeuern, erleben koreanische und chinesische Chipwerte parallel eine kräftige Erholungsrally. Der ETF, der die wichtigsten Halbleiterkonzerne der Welt abbildet, schloss am Dienstag bei 93,24 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn mit 75,03 Prozent im Plus.

Nvidia treibt mit Milliarden-Fonds die Branche an

Auslöser der jüngsten Bewegung ist Nvidias Ankündigung einer Finanzierungsplattform über 500 Milliarden Dollar für den Ausbau von KI-Rechenzentren. Sechs große Finanzhäuser – Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR – haben laut Nvidia unverbindliche Absichtserklärungen unterzeichnet.

Der Chiphersteller kann demnach bis zu 25 Prozent der Deals selbst garantieren. Laut CNBC warnen Analysten allerdings vor einer schnellen Abschreibung der Hardware und vor China-Risiken, die geschätzten Anleiherenditen der Struktur liegen zwischen 11 und 17 Prozent.

Die Ankündigung sorgte für eine ungewöhnliche Marktreaktion: Aktien der beteiligten Vermögensverwalter legten deutlich zu, während große Technologiewerte wie Alphabet und Amazon fielen. Laut Bitget News gilt die Ankündigung als Beleg dafür, dass der Finanzmarkt in Gewinner und Verlierer der KI-Infrastrukturwelle zerfällt – ein Muster, das sich auch im Halbleitersektor selbst zeigt.

Korea und China treiben die Rally, Micron bleibt umstritten

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Asien. Samsung und SK Hynix legten am Mittwoch in Seoul um 7 beziehungsweise 5 Prozent zu, obwohl die Nasdaq zuletzt schwächelte. Laut UBS ist der durchschnittliche Verkaufspreis für HBM-Speicher im Jahresvergleich um 79 Prozent gestiegen, nach zuvor 67 Prozent.

Südkoreas Halbleiterexporte kletterten laut offiziellen Angaben in den ersten zehn Augusttagen um 155,4 Prozent auf 9,95 Milliarden Dollar. Morgan Stanley sieht die jüngste Korrektur als beendet und empfiehlt einen taktischen Wiedereinstieg, Goldman Sachs verweist auf anhaltende KI-Nachfrage bei knappem Angebot.

Auch in China zeigt sich Stärke: Der STAR 200 Index legte in der ersten Augustwoche um 15,91 Prozent zu, getrieben von Zuflüssen in chinesische Halbleiter-ETFs.

In den USA bleibt die Diskussion differenzierter. Micron zeigte im dritten Fiskalquartal einen Umsatzsprung um 364 Prozent auf 41,4 Milliarden Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 19,8 unter dem des S&P 500. Dennoch bleiben Analysten bei Motley Fool skeptisch, da mögliche sinkende KI-Ausgaben und Überkapazitäten als Risiken genannt werden.

Ein Manager des Unternehmens erklärte laut GuruFocus, die Nachfrage werde das Angebot bis 2027 übersteigen. KB Securities zählt Micron neben Nvidia, Broadcom, AMD und ASML zu den fünf Top-Picks des Sektors und verweist auf ein Branchen-KGV von 23,3, das unter dem erwarteten Gewinnwachstum liege – dieses falle nach Einschätzung der Analysten dreifach so hoch aus wie im S&P 500.

Was das für Anleger im ETF bedeutet

Für den VanEck Semiconductor UCITS ETF, der breit über die großen Chiphersteller diversifiziert ist, bündeln sich damit mehrere Treiber: die milliardenschwere KI-Infrastrukturfinanzierung in den USA, die Speicherpreis-Rally in Korea und die Erholung chinesischer Halbleiterwerte.

Nach einem Rückgang von 4,50 Prozent auf 30-Tage-Sicht bewegt sich der Fonds derzeit knapp unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 97,61 Euro – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Volatilität der Branche noch nicht vollständig verarbeitet ist.

Die Frage, die sich Anlegern stellt, ist weniger, ob die KI-Nachfrage anhält, sondern wie stark einzelne Segmente wie Speicherchips oder Foundry-Kapazitäten künftig zueinander divergieren.