Ein einziger Inflationsbericht aus den USA reicht derzeit aus, um die globalen Aktienmärkte auf neue Höchststände zu treiben. Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation notiert bei 168,80 Euro und liegt damit nur noch 0,2 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 169,16 Euro. Auslöser der Rally: ein US-Verbraucherpreisindex, der exakt den Erwartungen entsprach.

Moderate Inflation befeuert Risikoappetit

Am Mittwoch veröffentlichte das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise für Juli. Sie stiegen um 0,1 Prozent zum Vormonat, die Jahresrate liegt bei 3,4 Prozent. Das entspricht dem Konsens der von Dow Jones befragten Ökonomen.

Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel legte um 0,2 Prozent zu, auf Jahressicht steht sie bei 2,5 Prozent. Die Zahlen lindern Sorgen, dass hartnäckig hohe Energiekosten eine unkontrollierte Teuerung anheizen könnten. An der Wall Street reagierten die Futures sofort: Der S&P 500 legte kurz nach Handelsstart um 0,5 Prozent zu, der Nasdaq Composite gewann 0,9 Prozent, der Dow Jones stieg um 151 Punkte.

Der Vanguard-ETF bildet den FTSE All-World Index nach, der stark von US-Aktien dominiert wird. Die Wall-Street-Dynamik wirkt deshalb direkt auf den Fondskurs durch.

Auch Europa zeigt sich robust

Die Kursgewinne beschränken sich nicht auf die USA. Der paneuropäische STOXX 600 schloss praktisch unverändert und hält sich nahe seinen Rekordständen. Grund dafür ist eine starke Berichtssaison: Laut Schätzungen des Datenanbieters LSEG dürften die Gewinne der STOXX-600-Unternehmen im zweiten Quartal um rund 22 Prozent gestiegen sein. Ohne den Energiesektor liegt das Wachstum bei etwa 11,5 Prozent.

Diese breite Gewinnstärke auf beiden Seiten des Atlantiks stützt genau die globale Streuung, für die der FTSE All-World Index steht.

Einzelne Überraschungen verstärken den Trend

Konkrete Firmenergebnisse haben die positive Stimmung zusätzlich befeuert. Der Cloud-Anbieter CoreWeave sprang nach starken Quartalszahlen um 18 Prozent. Die Restaurantkette Cava Group legte nach einem Ergebnis über den Erwartungen um 16 Prozent zu. Der KI-Infrastrukturanbieter Nebius Group gewann mehr als 12,5 Prozent, nachdem sowohl Ebitda als auch Umsatz und Bruttomarge die Analystenschätzungen übertroffen hatten.

Diese Gewinnüberraschungen konzentrieren sich auf Technologie- und KI-nahe Werte. Das ist für den ETF relevant, weil US-Technologiekonzerne zu den größten Positionen im FTSE All-World Index zählen.

Ölpreise als Risikofaktor im Hintergrund

Nicht alle Signale sind eindeutig positiv. Die Ölpreise zogen wegen neuer Spannungen im Nahen Osten an: US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 0,60 Prozent auf 83,70 Dollar je Barrel, Brent kletterte um 0,37 Prozent auf 89,24 Dollar. Eskalierende Spannungen bei Öltransporten bergen geopolitisches Risiko, das die Inflationserwartungen künftig wieder anheizen könnte — selbst wenn die aktuellen Daten kurzfristig Entlastung bringen.

Der ETF notiert derzeit 2,5 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt und rund 10 Prozent über der 200-Tage-Linie. Diese Distanz zeigt, wie stark der Aufwärtstrend der vergangenen Monate bereits eingepreist ist. Ob die Kombination aus milder Inflation, starken Unternehmensgewinnen und KI-Euphorie trägt, dürfte sich an den kommenden US-Konjunkturdaten entscheiden.