Kühlere Inflation, starke Bankgewinne, und trotzdem geht es abwärts. Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation zeigt diese Woche, wie widersprüchlich sich gute Nachrichten auf einen breit gestreuten Fonds auswirken können. Am Freitag notiert der ETF bei 163,10 Euro, ein Tagesminus von 0,97 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 164,70 Euro.

Inflation kühlt ab, Banken liefern

Am 15. Juli veröffentlichten die USA neue Verbraucherpreisdaten. Die Jahresinflation für Juni fiel auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Der Rückgang kam schneller als von vielen Analysten erwartet und gab den globalen Aktienmärkten zunächst Auftrieb.

Der Finanzsektor lieferte zusätzlichen Schub. JPMorgan Chase meldete für das zweite Quartal einen bereinigten Umsatz von 58,02 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Bank of America steigerte den Nettogewinn um 27 Prozent, angetrieben von einem Sprung der Investmentbanking-Erträge um 50 Prozent. Beide Institute zählen zu den Schwergewichten im zugrundeliegenden Index und wirken sich damit direkt auf den ETF aus.

Vanguard bringt neue Produkte, Konzentration rückt in den Fokus

Vanguard hat sein Angebot kürzlich um vier neue UCITS-ETFs auf Basis der Russell-1000- und Russell-2000-Indizes erweitert. Der Schritt lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Thema, das den All-World-ETF schon länger begleitet: die Konzentration im eigenen Portfolio.

Die zehn größten Positionen des Fonds machen aktuell rund 24 Prozent des Gesamtvermögens aus. Ursache ist die anhaltende Outperformance großer US-Technologiekonzerne. Die USA stellen inzwischen mehr als 60 Prozent der geografischen Gewichtung im Fonds.

Diese Entwicklung hat den ETF im Juni auf sein 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro getrieben. Aktuell liegt der Kurs 2,39 Prozent darunter. Der Vorteil der US-Dominanz hat aber eine Kehrseite: Der Fonds hängt zunehmend am Erfolg einer kleinen Gruppe amerikanischer Unternehmen. Die neuen Russell-Produkte geben Anlegern nun ein Werkzeug, um dieses US-Engagement gezielter zu steuern, statt es nur über den breiten All-World-Ansatz mitzunehmen.

Fondsmanager senken Cash-Quoten

Auch die Stimmung unter institutionellen Investoren gibt Anlass zur Vorsicht. Eine Umfrage von Bank of America unter globalen Fondsmanagern, veröffentlicht am 15. Juli, zeigte einen Rückgang der durchschnittlichen Cash-Reserven von 4,1 auf 3,6 Prozent. Historisch gelten solche niedrigen Cash-Quoten oft als Kontraindikator dafür, dass die bullische Stimmung sich einem Hochpunkt nähert.

Technisch bewegt sich der ETF nur 0,01 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 163,11 Euro. Trotz des Tagesverlusts steht der Fonds seit Jahresbeginn mit 11,73 Prozent im Plus. Der 14-Tage-RSI liegt bei 45,6 und signalisiert damit ein neutrales Momentum.

Für Anleger im All-World-ETF bleibt die Ausgangslage zweigeteilt. Sinkende Inflation und robuste Bankgewinne sprechen für die Story dahinter, die wachsende US-Konzentration im Portfolio macht den Fonds aber empfindlicher für Rückschläge bei einzelnen Technologiewerten. Die neuen Russell-ETFs von Vanguard liefern zumindest ein Instrument, um dieses Risiko gezielter zu dosieren.