Mit 3,067 Milliarden Dollar verzeichnete der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF im September den größten Nettozufluss unter allen europäischen börsengehandelten Fonds. Das meldete Finect unter Berufung auf Daten von ETFGI. Seit Jahresbeginn summieren sich die Zuflüsse laut diesem Bericht auf 26,548 Milliarden Dollar.
Diese Zahl fällt in eine Woche, in der die globalen Aktienmärkte alles andere als ruhig verlaufen. Anleger sorgen sich um die schuldenfinanzierte Investitionswelle rund um Künstliche Intelligenz und fragen sich, ob die Erträge der Technologiekonzerne die immensen Infrastrukturausgaben rechtfertigen.
Am Donnerstag vergangener Woche hatte ein technologielastiger Ausverkauf die Weltbörsen belastet, nachdem überraschend starke US-Inflationsdaten die Sorge vor höheren Zinsen angeheizt hatten.
Zu Wochenbeginn erholten sich US-KI-Aktien zwar wieder, während europäische Werte unter politischen und fiskalischen Spannungen in Frankreich nachgaben. Sinkende Ölpreise, ausgelöst durch Signale der USA zu möglichen Lockerungen bei Russland-Sanktionen, stützten die Stimmung zumindest teilweise.
Breite Streuung als Antwort auf die Unsicherheit
Dass gerade in einer solchen Phase derart viel Kapital in einen global breit gestreuten Indexfonds fließt, lässt sich als Reaktion vieler Anleger auf die Unübersichtlichkeit der Lage lesen.
Statt auf einzelne Technologiewerte zu setzen, deren Bewertungen angesichts der KI-Debatte zunehmend hinterfragt werden, wählen offenbar viele den breiteren Weg über die gesamte Weltaktienmarkt-Abdeckung. Der Fonds bildet Tausende Einzelwerte ab und reduziert damit das Einzelrisiko einzelner Sektoren.
Der Trend bleibt nicht auf diesen Fonds beschränkt: BNP Paribas Asset Management berichtete für europäische UCITS-ETFs insgesamt von einem Rekordquartal mit 125 Milliarden Euro an Zuflüssen im dritten Quartal und knapp 350 Milliarden Euro seit Jahresbeginn. Global ausgerichtete Aktienstrategien führten diesen Trend an, während chinesische Aktien-ETFs Abflüsse verzeichneten.
Blick auf die kommenden Tage
Im Kurs selbst schlägt sich die Nervosität bislang moderat nieder. Mit 170,42 Euro notiert der ETF am heutigen Montag 0,7 Prozent höher als am Freitag, bleibt aber 2,1 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 7. Oktober.
Die kommenden Tage dürften richtungsweisend werden: Meta Platforms, Tesla, Lam Research und Texas Instruments legen in dieser Woche Quartalszahlen vor. Investoren erwarten Hinweise darauf, ob die KI-bezogenen Umsätze und Gewinne die hohen Infrastrukturausgaben der Branche tatsächlich tragen können.
Für Anleger, die über den breit gestreuten Fonds investiert sind, hängt die kurzfristige Entwicklung damit maßgeblich an wenigen Schwergewichten der Technologiebranche, während die Zuflussdaten zeigen, dass das grundsätzliche Vertrauen in die globale Streuung ungebrochen bleibt.
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