Jefferies hat gestern das Kursziel für VAT Group gesenkt und die Halteempfehlung bestätigt. Die Aktie verzeichnete am Freitag eine Tagesveränderung von -3,1%. Bereits am Donnerstag hatte AWP den damaligen Rückgang mit einem sehr schwachen Chip-Branchenumfeld erklärt. Die jüngsten Rekordzahlen verhinderten den Kursdruck damit nicht.

Jefferies reduziert das Kursziel

Analyst Om Bakhda senkte das Kursziel gestern von CHF 646,00 auf CHF 622,00. Die Einstufung lautet weiterhin „Hold“. Damit setzte Jefferies nach dem Handelsupdate einen vorsichtigeren Bewertungsmaßstab an, ohne die grundsätzliche Empfehlung zu ändern.

Die Kurszielsenkung ist von den Erklärungen für die Branchenverluste zu trennen. AWP verwies am Donnerstag auf Sorgen über die Finanzierbarkeit der KI-Investitionen. Hinzu kamen Zinsängste und steigende Anleiherenditen. Diese Faktoren belasteten dem Bericht zufolge Halbleiter- und Technologiewerte insgesamt, nicht allein VAT.

Ein eindeutig belegter Auslöser speziell für den Kursrückgang am Freitag lässt sich daraus nicht ableiten. Für Anleger ergibt sich vielmehr ein Spannungsfeld: Die Geschäftsentwicklung liefert starke Signale, während das Branchenumfeld und die vorsichtigere Analystenbewertung Gegenwind erzeugen.

Rekordgeschäft liefert das Gegengewicht

VAT meldete am Donnerstag für das dritte Quartal 2026 einen Rekordauftragseingang von CHF 696,6 Millionen. Das entsprach einem Anstieg um 193 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die kräftige Bestelltätigkeit steht im Kontrast zur schwachen Börsenreaktion. Sie unterstreicht, dass der Kursdruck nicht mit einem gemeldeten Einbruch der Nachfrage gleichzusetzen ist. Das Unternehmen verwies bei seiner Geschäftsentwicklung auf die KI-getriebene Nachfrage.

Der Nettoumsatz erreichte CHF 376,4 Millionen und stieg um 45,9 Prozent. Der Auftragsbestand lag bei CHF 979,5 Millionen.

Der hohe Auftragsbestand bildet einen wichtigen Hintergrund für die Wachstumserwartungen. Er ist allerdings nicht mit bereits verbuchtem Umsatz gleichzusetzen. Entscheidend bleibt deshalb auch, welche Erlöse VAT in den kommenden Berichtsperioden tatsächlich erzielt.

Hohe Erwartungen bleiben der Maßstab

Für das vierte Quartal 2026 stellte VAT am Donnerstag einen Umsatz von CHF 420 bis 450 Millionen in Aussicht.

Zugleich bestätigte das Unternehmen seine Erwartung, im Gesamtjahr bei Auftragseingang, Umsatz und Ergebnisgrößen über dem Vorjahr zu liegen. Auch die EBITDA-Marge und der freie Cashflow sollen steigen.

Für 2027 erwartet VAT einen Umsatz deutlich über dem oberen Ende der bisherigen Prognosespanne von CHF 1,5 bis 1,7 Milliarden.

Die zentrale Anlegerfrage betrifft damit weniger fehlendes Wachstum als dessen Bewertung. Jefferies hat den Zielwert trotz des starken Geschäftsverlaufs reduziert. Rekordaufträge allein reichen offenbar nicht aus, um Vorbehalte gegenüber der Aktie und dem Branchenumfeld auszuräumen.