Ein zweistelliges Auftragsplus sorgt im deutschen Maschinenbau für Erleichterung, markiert jedoch noch keine dauerhafte Trendwende. Die Bestellungen stiegen im September 2026 preisbereinigt um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der scheinbare Sprung erklärt sich vor allem durch das schwache Niveau des Vorjahres: Im September 2025 waren die Orders um 19 Prozent eingebrochen.
Inlandsgeschäft zieht an
Verantwortlich für das jüngste Wachstum war vor allem der Heimatmarkt. Die Inlandsbestellungen kletterten im September um 22 Prozent. Aus dem Ausland kamen 11 Prozent mehr Aufträge, wobei die Nachfrage aus den Euro-Ländern und aus Drittstaaten gleichermaßen zulegte.
Betrachtet man die ersten neun Monate des laufenden Jahres, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Das Gesamtplus liegt in diesem Zeitraum bei 5 Prozent. Getragen wurde dieses Wachstum allein von den Märkten außerhalb der Eurozone.
Während die Bestellungen aus Nicht-Euro-Ländern in den ersten neun Monaten um 13 Prozent anzogen, verbuchte die Branche im Euro-Raum ein Minus von 5 Prozent. Das Inlandsgeschäft stagnierte über diesen längeren Zeitraum vollständig. Im gesamten dritten Quartal verzeichnete die Industrie ein Auftragsplus von 4 Prozent.
Produktion schrumpft im Gesamtjahr weiter
Trotz des Zuwachses im Spätsommer rechnet der Branchenverband VDMA für das Gesamtjahr 2026 mit einem weiteren Rückgang der Produktion. Es wäre das vierte Verlustjahr in Folge. Die Fertigung reagiert traditionell verzögert auf veränderte Bestelleingänge, da Großprojekte lange Vorlaufzeiten erfordern.
Hoffnung setzt die Branche auf das kommende Jahr. Für 2027 peilt der Verband ein Produktionswachstum von 3 Prozent an. Ob dieser Zuwachs gelingt, hängt allerdings auch von den Rahmenbedingungen ab. Die Verbandsführung bezeichnete die beginnende Erholung als fragil und warnte vor zusätzlichen Kostenbelastungen.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Dort fordert die Gewerkschaft IG Metall aktuell 5 Prozent mehr Entgelt und untermauert dies mit Warnstreiks. Für die exportorientierten Maschinenbauer entscheidet sich der tatsächliche Aufschwung erst in den kommenden Verhandlungsrunden und den Auftragsbüchern des Winters.


