Veolia hat am Dienstag einen Auftrag für das britische CO₂-Abscheidungsprojekt Protos gewonnen. Der Zuschlag unterstreicht die Aktivitäten in neuen Geschäftsfeldern. Für die Bewertung der Aktie bleibt allerdings entscheidend, welchen Beitrag solche Projekte zum Konzernwachstum leisten können. Genau hier setzte Jefferies am Montag mit einer vorsichtigen Einschätzung an.

Protos stärkt das neue Geschäft

Nach Angaben von Veolia Water Technologies beauftragte Kanadevia Inova das Unternehmen mit der Planung und Lieferung von zwei Anlagen zur Reinigung und Trocknung von CO₂. Sie sind für das Protos-Projekt an einer britischen Anlage zur Energiegewinnung aus Abfällen vorgesehen. Das Gesamtprojekt soll jährlich etwa 370.000 Tonnen CO₂ abscheiden.

Für Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Ebenen nebeneinander: Veolia gewinnt einen konkreten Auftrag im Umfeld der CO₂-Abscheidung. Daraus folgt aber noch keine Antwort auf die Frage, wie stark neue Geschäftsfelder das Wachstum des gesamten Unternehmens beschleunigen können.

Auch im bestehenden Wassergeschäft meldete Veolia einen Vertragsabschluss. Das Unternehmen und die Gemeinde Jamestown im US-Bundesstaat Rhode Island vereinbarten am 23. Oktober eine Verlängerung des Betriebsvertrags für die Wasseraufbereitungsanlage um fünf Jahre bis 2033.

Die Verlängerung steht für Kontinuität im bestehenden Geschäft. Der Protos-Auftrag ergänzt dieses Bild um ein Projekt in einem neueren Tätigkeitsfeld. Zusammen zeigen die Abschlüsse operative Fortschritte, ohne damit die Wachstumseinwände der Analysten bereits zu entkräften.

Jefferies bezweifelt den Wachstumsschub

Jefferies nahm die Beobachtung von Veolia am Montag mit der Empfehlung „Halten“ und einem Kursziel von 30 Euro wieder auf. Laut Reuters verwies das Analysehaus auf vorsichtige Aussichten für das Gewinnwachstum.

Die Begründung trifft den Kern der Bewertung: Das kommunale Wassergeschäft stagniere. Zugleich verlagere sich das Geschäft weg von Aktivitäten mit höheren Margen. Die neueren Wachstumsbereiche seien noch zu klein, um das mittelfristige Umsatzwachstum wesentlich anzuheben. Der Protos-Zuschlag steht damit einer skeptischen Einschätzung ihrer konzernweiten Wirkung gegenüber.

Bereits am 7. Oktober hatte Morgan Stanley das Kursziel von 38 auf 35 Euro gesenkt. Die Einstufung lautete weiterhin „Gleichgewichten“.

Als Belastungen nannte das Haus einen höheren Diskontierungssatz und eine schwache Gewinndynamik. Hohe Dieselpreise verursachten zudem kurzfristigen Druck. Höhere Anleiherenditen hätten einen kleinen negativen Einfluss.

Entscheidend ist der Beitrag zum Ergebnis

Für Veolia-Anleger liegt der Prüfstein deshalb nicht allein in weiteren Vertragsmeldungen. Maßgeblich ist, ob neue Aktivitäten die von Jefferies beschriebenen Wachstumshürden überwinden und zugleich die Ergebnisentwicklung stärken können. Protos liefert einen operativen Fortschritt; die vorsichtigen Analystenurteile richten den Blick dagegen auf dessen wirtschaftliches Gewicht im Konzern.