Das Verbrauchervertrauen im Euroraum bricht ein. Im Oktober fiel das Stimmungsbarometer unerwartet deutlich auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten. Vor allem die durch den Nahostkonflikt verteuerte Energie schlägt auf das Budget der privaten Haushalte durch. Zusammen mit wachsendem sozialem Unmut drückt das die Zuversicht der Bürger und erhöht den Druck auf die Regierungen.
Proteste in Frankreich und Italien
In Paris und Rom verschärft sich die Lage auf den Straßen. In Frankreich untersagte Präsident Emmanuel Macron ungenehmigte Proteste, nachdem Mitte Oktober Demonstrationen gegen steigende Preise und vernachlässigte öffentliche Dienste eskaliert waren. Die Unruhen treffen die Regierung mitten im Streit um den Haushalt für das kommende Jahr.
In Italien legten derweil Lkw-Blockaden wichtige Fernstraßen lahm. Der Protest gegen hohe Treibstoffkosten führte zu Engpässen bei Nahrungsmitteln und Benzin sowie zu Verzögerungen im Rettungsdienst. Die Regierung unter Giorgia Meloni kündigte ein Hilfspaket für Speditionen und Landwirte mit Ausgleichszahlungen für Diesel an, will aber zugleich gegen die Straßenblockaden vorgehen.
Anleiherenditen klettern spürbar
Die Mischung aus Teuerung und politischer Unruhe erreicht auch die Finanzmärkte. Am Mittwoch kletterte die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe erstmals seit 2022 über die Marke von 5,0 Prozent.
Damit zogen Frankreichs Refinanzierungskosten erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt an den Renditen vergleichbarer US-Papiere vorbei. Investoren verlangen angesichts der Haushaltsdebatte und der Proteste eine spürbar höhere Risikoprämie. Italienische Zehnjahresanleihen rentieren unterdessen bei 4,61 Prozent.
Das vorläufige Verbrauchervertrauen der Eurozone sank im Oktober auf minus 17,9 Punkte nach minus 16,5 Punkten im Vormonat. Der Wert verharrt weit unter seinem langfristigen Schnitt und markiert den schwächsten Stand seit Mai. Für die gesamte Europäische Union gab das Stimmungsbarometer parallel dazu auf minus 17,3 Punkte nach.
Am 29. Oktober legt die Europäische Kommission die detaillierten Umfrageergebnisse zusammen mit den Daten zur allgemeinen Wirtschaftsstimmung vor. Bis dahin bleibt der Druck auf den Anleihemärkten hoch, während teure Energie und verunsicherte Verbraucher das Umfeld der Währungsunion prägen.


