In den Tarifverhandlungen für rund 150.000 Beschäftigte privater Geldhäuser verschärft sich die Lage. Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zu ersten Warnstreiks aufgerufen, um vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Erste ganztägige Aktionen starten am Montag unter anderem in Hamburger Filialen von Deutscher Bank, Commerzbank und UniCredit.
Hinter dem Arbeitskampf stehen deutliche Forderungen. Verdi verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sechs Prozent mehr Gehalt sowie monatlich 300 Euro mehr für Nachwuchskräfte. Die Gewerkschaft begründet dies mit hohen Gewinnen im Bankensektor und gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Gehaltssteigerungen sollen nach ihren Vorstellungen auch für außertarifliche Angestellte gelten.
Über die Entlohnung hinaus will Verdi verbindliche Regeln zum Beschäftigungsschutz, zur Personalplanung sowie zum betrieblichen Einsatz Künstlicher Intelligenz durchsetzen. Beschäftigte sollen Teile ihres Einkommens in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umwandeln dürfen.
Der Arbeitgeberverband AGV Banken wies die Forderungen als überhöht zurück. Die geforderte Freistellung entspreche einer Arbeitszeitverkürzung von fast zehn Prozent und erschwere eine verlässliche Personalplanung. Verhandlungen über schärfere Kündigungsschutzregeln lehnte der Verband ab. Die Arbeitgeber rechnen mit überschaubaren Streikfolgen im laufenden Filialbetrieb und verlangen vor einem eigenen Angebot eine deutliche Verschlankung des Forderungskatalogs.
Kursabschläge im Bankensektor
An den Börsen reagierten die Anteilsscheine der betroffenen Institute vor dem Wochenende mit leichten Verlusten. Die Aktie der Deutschen Bank gab um 1,34 Prozent auf 27,63 Euro nach.
Die Papiere der Commerzbank notierten zeitweise 0,17 Prozent schwächer bei 35,80 Euro. Im Mailänder Handel verzeichnete UniCredit zeitgleich ein Minus von 1,08 Prozent.
Am 2. November treffen Gewerkschaft und Arbeitgeber zur zweiten Verhandlungsrunde zusammen. Bis dahin plant Verdi weitere regionale Arbeitsniederlegungen, um die Banken vor dem nächsten Treffen zur Vorlage eines ersten Angebots zu bewegen.
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