Südkorea will zur globalen KI-Supermacht aufsteigen und legt ein Investmentprogramm von fast einer Billion Dollar auf. Für Vertiv ist das eine grandiose Nachricht. Der Aktienkurs des US-amerikanischen Anbieters von Kühllösungen und Stromversorgung für Rechenzentren schoss am Dienstag um 8,49 Prozent auf 290,85 Euro nach oben.

Die Milliarden-Wette auf Künstliche Intelligenz

Auslöser ist die „S-WEST Vision“ von Präsident Lee Jae-myung. Das Programm umfasst Gesamtinvestitionen von über 1,35 Billiarden Won – das entspricht umgerechnet etwa 880 Milliarden bis eine Billion Dollar. Der Fokus liegt auf KI und Halbleiterproduktion in der südwestlichen Region des Landes.

Die Industrie zieht mit: SK集团 investiert 470 Billionen Won in zwei neue Chip-Fabriken sowie ein KI-Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Gigawatt. Samsung steuert 425 Billionen Won bei, unter anderem für zwei Speicherfabriken und einen nationalen KI-Computing-Standort. Hinzu kommt Amkor mit einer Milliarden-Expansion.

Die Regierung unterstützt die privaten Vorhaben mit hundertprozentigen Zuschüssen für die Infrastruktur. Das Ziel: ein zweites Halbleiter-Zentrum neben den bestehenden globalen Standorten.

Vertiv profitiert von Kühlbedarf

Vertiv gilt als einer der großen Profiteure dieser Entwicklung. Der Konzern hat mit der Übernahme von ThermoKey seine liquiden Kühltechnologien gestärkt. KI-Rechenzentren mit immer höherer Leistungsdichte benötigen solche Systeme zwingend – herkömmliche Luftkühlung stößt an Grenzen.

Rund 20 Prozent seines Umsatzes erzielt Vertiv in Asien, auch in Südkorea ist das Unternehmen präsent. Dazu kommt die Partnerschaft mit Nvidia. Der Auftragsbestand liegt bei über 15 Milliarden Dollar.

Der Kurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Mit einem Plus von 94 Prozent seit Jahresbeginn notiert die Aktie etwa zehn Prozent unter ihrem Hoch von 324,20 Euro aus dem Mai. Der RSI von 55 signalisiert jedoch noch keine Überhitzung.

Vertiv hat nach der ThermoKey-Übernahme seine Prognose für 2026 zuletzt angehoben. Der Jahresumsatz liegt bei 10,23 Milliarden Dollar, der Nettogewinn bei 1,33 Milliarden Dollar. Ob die Aktie zum alten Hoch zurückkehrt, entscheidet sich wohl an der Frage, wie viele dieser Milliardenprojekte tatsächlich in den kommenden Monaten in konkrete Bestellungen münden.