Der US-Konzern Vertiv erweitert sein Fertigungsnetzwerk in Südostasien. Der Grund: die weltweit steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur und Hochleistungsrechenzentren.

Anfang Juli 2026 ging eine neue Produktionsstätte im malaysischen Senai, Johor, in Betrieb. Die Anlage umfasst rund 21.900 Quadratmeter. Sie soll keine reine Montagehalle sein, sondern ein High-End-Fertigungsstandort mit Robotik, digitalen Zwillingen und Automatisierung.

Vom China-Lieferanten zum Regional-Hub

Bisher belieferte Vertiv seine asiatischen Kunden zu 70 Prozent aus China und zu 30 Prozent aus Europa. Das ändert sich jetzt. Die neue Fabrik in Malaysia ist strategisch so positioniert, dass sie Kunden in Südostasien, Nordasien, Australien und Neuseeland bedienen kann.

CEO Giordano Albertazzi spricht von einer direkten Reaktion auf das rapide Wachstum der KI-Investitionen in Asien. Gefertigt werden dort vor allem Kühllösungen für Flüssigkeitskühlung, modulare Strommodule und integrierte Infrastruktur für hohe Rechenlasten. Bis 2027 sollen rund 500 Arbeitsplätze entstehen.

Parallel dazu treibt Vertiv die technische Entwicklung voran. Das Unternehmen arbeitet an einer 800-Volt-Gleichstrom-Technologie, die speziell für die hohen Energieanforderungen von KI-Workloads ausgelegt ist.

Marktposition und Bewertung

Analysten sehen Vertiv hier im Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Schneider Electric, Siemens oder ABB. Der globale Markt für Rechenzentrumsstrom soll innerhalb von fünf Jahren auf über 200 Milliarden Dollar jährlich wachsen. Eine Partnerschaft mit einem führenden Halbleiterhersteller für die 800-Volt-Lösung gilt als wichtiger Treiber für die angehobene Jahresprognose.

Die Aktie notierte am Freitag bei 273,55 Euro. Das sind knapp 1,8 Prozent mehr als vor einer Woche. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 82 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von mehr als 153 Prozent. Der RSI liegt mit 49,5 Punkten im neutralen Bereich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 324,20 Euro aus Mai 2026 trennen den Titel knapp 16 Prozent.

Der KI-Superzyklus als Rückenwind

Der Auftragsbestand von Vertiv befindet sich auf Rekordniveau. Zwar warnen einige Analysten, dass die Bewertung nach dem steilen Kursanstieg des vergangenen Jahres weniger Spielraum nach oben biete. Doch die strukturelle Nachfrage bleibt intakt.

Während andere Marktsegmente unter den hohen Kosten des KI-Ausbaus leiden, profitiert Vertiv von der physischen Infrastruktur-Ebene des KI-Superzyklus. Betreiber wie Microsoft und Amazon skalieren ihre Rechenzentren massiv. Spezielle Flüssigkeitskühlung und Hochspannungs-Stromsysteme – genau das, was Vertiv liefert – bleiben ein kritischer Engpass in der weltweiten KI-Expansion.