Starke Zahlen, ein frisches SDAX-Ticket und trotzdem fällt der Kurs. Bei Vincorion klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Rüstungs- und Luftfahrtzulieferer präsentiert sich heute auf dem HHO-Symposium. Die Börse blickt allerdings besorgt auf ein strukturelles Risiko im Herbst.

Sell-the-News nach Index-Kür

Am 22. Juni rückt das Unternehmen in den SDAX auf. Vincorion ersetzt dort Borussia Dortmund und ProSiebenSat.1. Damit gehört der Neuling kurz nach dem Börsengang zu den 70 größten Werten unterhalb des MDAX.

Die Marktreaktion fiel allerdings enttäuschend aus. Nach der Bestätigung durch die Deutsche Börse rutschte das Papier am Freitag auf 16,99 Euro ab. Damit notiert der Titel wieder unter dem Ausgabepreis aus dem März. Gewinnmitnahmen überlagerten schlicht die üblichen institutionellen Käufe.

Volle Auftragsbücher, leere Kassen

Fundamental läuft das Geschäft auf Hochtouren. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 69 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte parallel dazu auf 12,4 Millionen Euro zu. Ein Rekordauftakt für die Wedeler.

Der Auftragsbestand von 1,2 Milliarden Euro sichert bereits fast das gesamte Jahresziel ab. Ein Problem trübt jedoch die Bilanz. Der freie Cashflow rutschte im ersten Quartal auf minus 7,1 Millionen Euro ab. Im Vorjahr stand hier noch ein kleines Plus.

Das Management begründet den Abfluss mit saisonalen Effekten und Steuernachzahlungen. Für das Gesamtjahr plant der Vorstand weiterhin mit einem positiven freien Cashflow von rund 38 Millionen Euro.

Die Gefahr im Herbst

Der aktuelle Kursdruck hat noch einen weiteren Grund. Private-Equity-Investor STAR Capital hält 47,5 Prozent der Anteile. Die bestehende Haltefrist für diese Aktien endet im Herbst. Ein Risiko.

Marktbeobachter fürchten, dass der Großinvestor seine Position nach Ablauf des Lock-ups massiv abbaut. Ein Verkauf dieser Größenordnung würde den Aktienkurs erheblich belasten.

Heute präsentiert Vincorion seine Systeme auf dem HHO-Symposium in Karlsruhe, bevor es zur Rüstungsmesse Eurosatory nach Paris geht. Die nächste harte Bewährungsprobe an der Börse folgt am 13. August. Dann legt das Unternehmen den Halbjahresbericht vor. Im Fokus steht dann, wie viel vom starken Umsatzwachstum tatsächlich als Marge hängenbleibt.