Hundert Millionen Euro für sauberen Stahl, ein politischer Vorstoß in Brüssel und eine frisch renovierte Ausstellung in Linz: Voestalpine schiebt seine Dekarbonisierung gerade auf mehreren Ebenen an.

Drei Stahlriesen fordern EU-Kurskorrektur

Voestalpine, ArcelorMittal und Thyssenkrupp Steel haben gemeinsam eine Reform des EU-Emissionshandelssystems gefordert. Das Trio warnt: Der aktuelle ETS-Kurs gefährdet die industrielle Basis Europas. Ohne pragmatische Anpassungen werde die Dekarbonisierung für europäische Stahlhersteller schlicht unwirtschaftlich.

Das Kernargument ist klar. Technologische Innovationen brauchen eine verlässliche politische Flankierung. Wer Milliarden in grüne Produktionsverfahren steckt, will Planungssicherheit — keine regulatorischen Überraschungen.

Donawitz wird bis 2030 komplett umgebaut

Am Standort Leoben-Donawitz konkretisiert Voestalpine seine Pläne. Der erste Elektrolichtbogenofen (EAF) soll 2027 in Betrieb gehen und die konventionelle Hochofenroute ergänzen. Bis 2029 will das Unternehmen einen Hochofen stilllegen.

Dann folgt der nächste Schritt: Für rund 100 Millionen Euro baut Voestalpine die EAF-Anlage bis 2030 weiter aus. Das Ziel: Donawitz vollständig auf schrottbasierte, elektrifizierte Stahlproduktion umstellen. Die CO2-Emissionen am Standort sollen dadurch gegenüber 2019 um mehr als 90 Prozent sinken.

Parallel dazu hat Voestalpine in Linz die „Stahlwelt“ wiedereröffnet. Nach 23 Monaten Umbauzeit und rund 20 Millionen Euro Investition zeigt das Besucherzentrum die Transformation zur klimaneutralen Produktion — unter anderem mit einer begehbaren Stahlkonstruktion aus 40 Tonnen CO2-reduziertem „greentec steel“.

Aktie unter dem 50-Tage-Schnitt

Die Aktie notiert aktuell bei 42,68 Euro und liegt damit rund fünf Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 45,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut zehn Prozent zu Buche.

Ein kleines Vertrauenssignal kam zuletzt aus dem Aufsichtsrat: Reinhard Lang kaufte 153 Aktien zu 40,00 Euro — im Rahmen eines Mitarbeiterbeteiligungsprogramms.

Der nächste operative Meilenstein folgt im Herbst 2026. Dann plant Voestalpine die Montage der Kernaggregate für die neuen Elektrolichtbogenöfen — der entscheidende Schritt vor dem geplanten Produktionsstart im ersten Halbjahr 2027.