Die Jahreszahlen waren besser als erwartet, doch die Analysten der Erste Group bleiben vorsichtig. Voestalpine habe operativ geliefert – aber der Kurs sei inzwischen hoch bewertet. Das dürfte Anleger umtreiben.
Die Erste Group stuft die Aktie weiterhin mit „Halten“ ein. Im aktuellen „Equity Weekly“ heißt es, die Ergebnisse für 2025/26 hätten zwar über den Erwartungen gelegen. Der Ausblick werde aber „eher verhalten“ gesehen. Der zentrale Punkt: Nach dem starken Kursanstieg sehen die Analysten „derzeit wenig Aufwärtspotenzial“.
Bewertung rückt in den Fokus
Das erwartete KGV für 2026/27 liegt bei 12,8 – über dem Fünfjahresdurchschnitt und über dem Niveau vergleichbarer Konzerne. Die Frage ist, ob der Markt die operativen Fortschritte in den Geschäften Stahl, Aerospace, Railway Systems und bei den Restrukturierungen bereits voll eingepreist hat.
Der Kurs gab am Freitag um 4,50 Prozent auf 46,70 Euro nach. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,35 Prozent. Trotzdem liegt das Papier seit Jahresanfang 20,80 Prozent im Plus. Auf zwölf Monate gerechnet beträgt der Zuwachs sogar knapp 100 Prozent.
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Ausblick: Vorsicht ist die neue Linie
Voestalpine selbst stellt für 2026/27 ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro in Aussicht. Das Unternehmen verweist auf hohe politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, zugleich aber auf positive Effekte aus internen Maßnahmen.
Die Erste Group relativiert die Prognose. Die erwartete Free-Cashflow-Größe von 200 Millionen Euro enthalte sowohl Verkaufserlöse aus der BÖHLER-Profil-Tochter als auch Investitionen in die neuen Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz. Die sollen im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen.
Operativ ein solides Jahr
Die Zahlen vom 3. Juni zeigen eine gemischte Entwicklung. Der Umsatz fiel auf 15,1 Milliarden Euro, nach 15,7 Milliarden im Vorjahr. Das EBITDA stieg auf 1,5 Milliarden Euro, das EBIT legte von 455 auf 724 Millionen Euro zu. Der Free Cashflow erreichte 537 Millionen Euro.
Die Bilanz wurde robuster: Die Nettoverschuldung sank auf 1,3 Milliarden Euro, die Eigenkapitalbasis lag bei 7,8 Milliarden Euro. Das Gearing verbesserte sich auf 16,2 Prozent – der niedrigste Wert seit 2005/06.
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Stahlmarkt zwischen Hoffen und Zögern
Voestalpine erwartet positive Impulse durch den EU-CO2-Grenzausgleich (CBAM) und geplante Stahlmarktmaßnahmen der EU. Gleichzeitig bremsen Verzögerungen bei Energieprojekten im Grobblechbereich. Die Erste Group greift diese Zweiteilung auf: CBAM und EU-Hilfe helfen, einzelne Projektverschiebungen belasten.
Für High Performance Metals sind Reorganisationseffekte positiv, Aerospace bleibt stabil stark, Metal Engineering wird vom Railway-Systems-Geschäft getragen.
Technisch noch in guter Verfassung
Der Rücksetzer am Freitag ändert wenig am positiven Chartbild. Der Kurs von 46,70 Euro liegt 7,15 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 43,58 Euro und 21,15 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 38,55 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro ist nur 5,12 Prozent entfernt. Der RSI von 53,9 signalisiert weder Überhitzung noch Schwäche.
Die Hauptversammlung ist für den 1. Juli 2026 angesetzt. Der Nachweisstichtag ist der 21. Juni, der Ex-Tag für die Dividende folgt am 9. Juli, Zahltag am 14. Juli. Bis dahin wird entscheidend sein, ob der Markt den Ausblick als stark genug einstuft, um die ambitionierte Bewertung zu rechtfertigen.
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