Voestalpine Aktie: 47 Prozent weniger zollfrei ab 1. Juli

Voestalpine profitiert von verschärften EU-Stahlimporten und dem Dekarbonisierungsprojekt, während US-Zölle belasten.

Voestalpine Aktie
Kurz & knapp:
  • EU senkt zollfreies Importvolumen drastisch
  • Greentec steel-Projekt schreitet planmäßig voran
  • US-Zölle belasten mit bis zu 80 Millionen Euro
  • EBITDA-Prognose für 2026/27 veröffentlicht

Nach einer Verdoppelung des Kurses innerhalb von zwölf Monaten tritt Voestalpine kurz auf die Bremse. Am Freitag verlor die Aktie 4,5 Prozent auf 46,70 Euro. Das ändert nichts am Bild: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 21 Prozent, der Kurs liegt mehr als 20 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt.

Der eigentliche Fokus liegt auf den nächsten Wochen. Zwei Entwicklungen könnten die Richtung bestimmen.

EU dreht an der Importschraube

Am 30. Juni laufen die bestehenden EU-Stahlschutzmaßnahmen aus. Ab 1. Juli tritt ein neues System in Kraft. Das zollfreie Importvolumen sinkt auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich — ein Rückgang von 47 Prozent gegenüber 2024. Wer darüber hinaus liefern will, zahlt künftig 50 Prozent Zoll statt bisher 25 Prozent.

Für Voestalpine ist das strukturelle Entlastung. Billigstahl aus Asien wird teurer, europäische Hersteller gewinnen Spielraum. Stahlimporte in die EU lagen im zweiten Quartal bereits 17 Prozent unter Vorjahresniveau — der CO₂-Grenzmechanismus zeigt Wirkung.

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Milliardenprojekt greentec steel läuft

Parallel baut Voestalpine seinen Dekarbonisierungskurs aus. Rund 60 Prozent des 1,5-Milliarden-Euro-Budgets für „greentec steel“ sind bereits investiert. In Linz bekommt der erste Elektrolichtbogenofen gerade sein Dach.

Der Zeitplan ist eng: Im November 2026 soll die Stromversorgung über den Tunnel anlaufen. Ende 2026 folgen Schrottversorgung, HBI-Lager und Prozessanalytik. Den Betrieb nimmt der Ofen planmäßig im Februar 2027 auf. Das Ziel: knapp vier Millionen Tonnen weniger CO₂ pro Jahr bis 2029 — rund 30 Prozent der weltweiten Konzern-Emissionen.

Das Management warnt allerdings vor einem Engpass. Leistungsfähige Strom- und Wasserstoffnetze zu wettbewerbsfähigen Preisen fehlen. Ohne gesicherte Energieinfrastruktur könnte der Zeitplan ins Rutschen geraten.

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US-Zölle bleiben ein Risiko

Die Gegenseite der Gleichung: das US-Zollregime. Voestalpine beziffert den Ergebniseffekt auf 60 bis 80 Millionen Euro. Spezialrohre treffen Abgaben von bis zu 50 Prozent besonders hart. Im Juli 2026 könnte die US-Regelung auslaufen — falls der Kongress nicht verlängert.

Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet der Vorstand ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 1,76 Milliarden Euro auf dem Zettel — der Mittelwert der Unternehmensprognose liegt knapp darunter.

Am 1. Juli stimmt die Hauptversammlung über eine Dividende von 0,75 Euro je Aktie ab. Zeitgleich tritt das neue EU-Schutzsystem in Kraft. Für Voestalpine wird der 1. Juli damit zum Doppeltermin.

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