Voestalpine treibt den Konzernumbau voran und belohnt Aktionäre. Der Stahlkocher präsentierte in Donawitz die nächste Stufe seines Dekarbonisierungsprogramms. Parallel dazu steht eine kräftige Gewinnbeteiligung zur Abstimmung. An der Börse reagierten Anleger zuletzt verhalten. Die Aktie verlor auf Wochensicht 5,72 Prozent und schloss am Freitag bei 43,82 Euro. Auf Jahressicht glänzt das Papier mit einem Plus von über 97 Prozent.
Der Weg zum grünen Stahl
Ab 2027 kombiniert Voestalpine in Donawitz eine neue Elektrolichtbogenofenanlage mit dem klassischen Hochofen. Das Management will bis 2029 bereits einen Hochofen komplett stilllegen. Bis 2030 plant der Konzern die vollständige Umstellung auf elektrifizierte Stahlproduktion.
Die Bauarbeiten für die Werkshalle sind abgeschlossen. Im Herbst 2026 montiert das Team die Kernaggregate.
Für diesen Ausbau nimmt das Unternehmen viel Geld in die Hand. Die neue Anlage kostet bis 2030 rund 100 Millionen Euro. Das Budget fließt in das Milliarden-Programm „greentec steel“. Hierfür hat Voestalpine bereits 60 Prozent des Gesamtvolumens gebunden.
Mit dem neuen Ofen ändert sich die Rohstoffbasis drastisch. Statt Kohle nutzt das Werk künftig Schrott und heißbrikettiertes Eisen. Einen großen Teil dieses Eisens importiert Voestalpine aus dem eigenen Werk in Texas. Das Ziel: Ab 2030 sinken die CO₂-Emissionen in Donawitz um mehr als 90 Prozent im Vergleich zu 2019.
Gewinnsprung und neue Dividendenpolitik
Neben dem Werksumbau blicken Aktionäre auf den 1. Juli 2026. Dann entscheidet die Hauptversammlung in Linz über die Gewinnverwendung. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 75 Cent je Aktie vor.
Das entspricht einem Aufschlag von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hintergrund ist ein starkes Geschäftsjahr. Der Konzerngewinn stieg um 138 Prozent auf 424 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 59 Prozent.
Zusätzlich verankert Voestalpine eine neue Ausschüttungspolitik. Das Unternehmen zahlt künftig 30 Prozent des Gewinns je Aktie aus. Bedingung ist eine moderate Verschuldung. Die Untergrenze liegt fest bei 40 Cent je Aktie.
Rückenwind durch EU-Politik
Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Management optimistisch. Voestalpine peilt ein operatives Ergebnis zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro an. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 1,49 Milliarden Euro.
Die Handelspolitik der Europäischen Union stützt diese Prognose. Die EU halbiert ab Juli die Quoten für Stahlimporte. Bereits im zweiten Quartal fielen die Einfuhren in die Union um 17 Prozent.
Gegenwind droht weiterhin aus den USA. Strafzölle von 50 Prozent auf Stahl belasteten den Umsatz bereits im vergangenen Jahr. Hinzu kommen Verzögerungen bei Energieprojekten. Diese bremsen die Gewinne im Grobblech-Segment. Das Management muss diese Faktoren ausgleichen, um das anvisierte Gewinnziel im kommenden Jahr zu erreichen.
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