Starke Zahlen, höhere Dividende, neue Schutzmaßnahmen der EU — und trotzdem verliert die Aktie auf Wochensicht mehr als fünf Prozent. Voestalpine liefert gerade ein klassisches Paradox: Die Fundamentaldaten verbessern sich, die Stimmung bleibt verhalten.

Geschäftsjahr 2025/26: Gewinn fast verdreifacht

Der Konzerngewinn stieg um knapp 138 Prozent auf 424 Millionen Euro. Das EBIT kletterte von 455 auf 724 Millionen Euro. Der Umsatz sank leicht von 15,7 auf 15,1 Milliarden Euro — kein Einbruch, aber auch keine Wachstumsstory.

Bemerkenswert ist die Bilanz. Trotz milliardenschwerer Investitionen in das Programm greentec steel sank die Nettofinanzverschuldung auf 1,3 Milliarden Euro. Die Gearing Ratio fiel auf 16,2 Prozent — den niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren.

Auf dieser Basis schlägt das Management der Hauptversammlung am 1. Juli eine Dividendenerhöhung vor: von 60 auf 75 Cent je Aktie. Dahinter steckt eine neue Ausschüttungspolitik. Ab diesem Geschäftsjahr zahlt Voestalpine 30 Prozent des Gewinns je Aktie — sofern das Verhältnis von Nettofinanzschulden zu EBITDA unter 2,0 liegt. Als Untergrenze gilt eine Mindestdividende von 0,40 Euro.

EU dreht die Importschraube

Rückenwind kommt aus Brüssel. Ab Juli sinken die Stahlimportquoten in die EU um rund 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen. Zölle außerhalb dieser Quoten steigen von 25 auf 50 Prozent. Ab Oktober greift das „Melt-and-Pour“-Prinzip: Importeure müssen nachweisen, wo ihr Stahl ursprünglich geschmolzen und gegossen wurde. Das macht Umgehungsgeschäfte deutlich teurer.

Hinzu kommt CBAM. Das Grenzausgleichssystem belastet Stahlimporte aus China und der Türkei seit Januar 2026 mit 40 bis 70 Euro je Tonne. Branchenverband Eurofer erwartet für 2026 ein Nachfrageplus von vier bis fünf Prozent in der EU. Die Lagerbestände sind nach drei Jahren des Abbaus niedrig — eine Wiederbefüllung würde die Nachfrage zusätzlich stützen.

Gegenwind aus Washington und Genf

Nicht alle Signale zeigen nach oben. Die US-Zölle von 50 Prozent auf Stahl belasten das Ergebnis laut Konzern um einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Besonders trifft es Voestalpine Tubulars in Kindberg: Das Werk musste die Produktion an die gesunkene Nachfrage im US-Markt anpassen.

Die OECD warnt ferner vor globalen Überkapazitäten. Bis 2028 soll die weltweite Produktionskapazität auf 745 Millionen Tonnen steigen — während die Nachfrage deutlich langsamer wächst.

UBS hat das Kursziel auf 50 Euro angehoben, stufte den Titel aber auf „Neutral“ herab. Die Bank sieht die Vorteile aus EU-Handelsschutz und Wachstum im Bahnsystem-Geschäft bereits im Kurs eingepreist. Die Aktie notierte am 24. Juni bei 44,74 Euro — auf Wochensicht ein Minus von 5,34 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 peilt das Management ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro an. Der erste neue Elektrolichtbogenofen in Linz soll im Februar 2027 anlaufen — dann wird sich zeigen, ob die milliardenschwere Transformation auch operativ zündet.