Voestalpine baut seine Werke für Milliarden auf grünen Stahl um. Parallel dazu saugt der europäische Emissionshandel genau die Gelder ab, die für diesen Umbau nötig sind. Gemeinsam mit ArcelorMittal und thyssenkrupp fordert der österreichische Konzern nun eine Pause bei den Klimakosten. An der Börse sorgte das politische Ringen zuletzt für Unsicherheit.
Die Papiere beendeten die Handelswoche bei 43,82 Euro. Das entspricht einem Wochenminus von fast sechs Prozent.
Auf lange Sicht sieht das Bild deutlich besser aus. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 13 Prozent auf der Kurstafel. Der Kurs notiert komfortabel über der langfristigen 200-Tage-Linie.
Warnruf an die EU
Die drei größten Stahlkocher Europas schlagen Alarm. Sie stehen für 60 Prozent der europäischen Stahlproduktion. Ihr gemeinsamer Appell an Brüssel formuliert eine klare Warnung. Die aktuelle EU-Politik droht die industrielle Basis des Kontinents zu zerstören.
Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner macht das Dilemma deutlich. Der Konzern investiert stark in sein Programm für grünen Stahl. Der Wegfall der kostenlosen CO2-Zertifikate entzieht dem Unternehmen jetzt allerdings wichtiges Kapital. Die Forderung: Die EU muss die Kostensteigerungen im Emissionshandel vorübergehend aussetzen.
Umbau in Donawitz läuft
Abseits der politischen Bühne treibt Voestalpine den Umbau voran. Im steirischen Donawitz geht in knapp einem Jahr ein neuer Elektrolichtbogenofen ans Netz. Ab 2027 produziert das Werk dann Elektrostahl mit grünem Strom.
Das Ziel: Bis Ende des Jahrzehnts schaltet der Konzern einen klassischen Hochofen ab. Das spart jährlich fast vier Millionen Tonnen CO2. Später will Voestalpine in Donawitz komplett elektrisch produzieren. Dafür investiert das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag in den Standort.
Solide Zahlen und sinkende Schulden
Finanziell steht der Konzern auf einem stabilen Fundament. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Voestalpine ein operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung sank drastisch auf 1,3 Milliarden Euro.
Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem leichten Gewinnanstieg. Das operative Ergebnis soll auf bis zu 1,85 Milliarden Euro klettern. Aktionäre stimmen auf der kommenden Hauptversammlung über eine erhöhte Dividende von 0,75 Euro je Aktie ab.
In der kommenden Woche greift eine wichtige regulatorische Änderung. Ab dem 1. Juli halbiert die EU die Importkontingente für Stahl. Davon profitiert Voestalpine als europäischer Qualitätsproduzent direkt. Weniger Billigimporte aus Drittstaaten stärken die Preissetzungsmacht des Konzerns auf dem Heimatmarkt.
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