Der österreichische Stahlkonzern treibt seinen milliardenschweren Umbau zur CO₂-reduzierten Produktion exakt nach Zeitplan voran. Während in Europa neue Schutzmechanismen das Geschäft stützen, bläst dem Unternehmen jenseits des Atlantiks ein rauer Wind ins Gesicht. US-Strafzölle belasten die Margen, bringen das Management aber bislang nicht von seinen Jahreszielen ab.

Meilenstein in Linz

In Linz steht der Rohbau der neuen Elektrolichtbogenofen-Halle. Damit tritt das 1,5 Milliarden Euro schwere Programm „greentec steel“ in die entscheidende Phase. Ab Februar 2027 soll hier – und kurz darauf in Donawitz – CO₂-reduzierter Stahl fließen. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2029 will der Konzern seine Emissionen um rund 30 Prozent senken.

Rückenwind liefert dabei die Europäische Union. Der neue CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) verteuert importierten Stahl aus Drittländern massiv und verschafft europäischen Produzenten einen klaren strukturellen Vorteil. Wenn sich ab Juli 2026 zudem die EU-Importquoten halbieren, dürfte sich diese Position weiter festigen.

Zölle belasten das US-Geschäft

Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht die Lage ungemütlicher aus. Die US-Regierung hat Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt, die das Ergebnis im laufenden Jahr voraussichtlich im mittleren zweistelligen Millionenbereich schmälern. Besonders die Sparte Tubulars leidet unter der toxischen Mischung aus Abgaben von bis zu 50 Prozent auf Spezialrohre und gleichzeitig niedrigen Ölpreisen.

An der Börse sorgte das zuletzt allerdings kaum für Panik. Mit einem gestrigen Schlusskurs von 42,14 Euro verzeichnet das Papier auf Sicht von zwölf Monaten weiterhin ein beachtliches Plus von gut 91 Prozent.

Verschlankt in die Zukunft

Das Management fängt die US-Belastungen durch einen straffen Konzernumbau auf. Unrentable Bereiche wie die Camtec GmbH wurden geschlossen, BÖHLER Profil für rund 157 Millionen Euro verkauft. Gleichzeitig sank die Nettoverschuldung trotz der enormen Investitionen in die grüne Transformation deutlich auf 1,4 Milliarden Euro. Folgerichtig bestätigt der Vorstand die EBITDA-Prognose von 1,4 bis 1,55 Milliarden Euro für das Gesamtjahr.

Wie stark die US-Zölle die Margen des verschlankten Konzerns tatsächlich getroffen haben, zeigt sich am 3. Juni bei der Vorlage der Jahresergebnisse. Für Aktionäre rückt zudem die Hauptversammlung am 1. Juli in den Fokus. Hier greift erstmals die neue Dividendenpolitik, die eine Mindestausschüttung von 0,40 Euro je Anteilsschein garantiert.