Österreichs größte Industriebaustelle läuft nach Plan. Voestalpine baut seine Stahlproduktion grundlegend um — weg von Hochöfen, hin zu Elektrolichtbogenöfen. Neue EU-Importregeln ab Juli verschaffen dem Konzern dabei zusätzlichen Rückenwind.
Linz und Donawitz im Umbau
Das Herzstück des Programms entsteht in Linz. Die neue Elektrostahlwerk-Halle misst 100 Meter Länge, 60 Meter Breite und 65 Meter Höhe. Täglich arbeiten rund 750 Kräfte auf dem Gelände, in Spitzenphasen sollen es über 1.200 sein. Voestalpine hat bereits mehr als 500 Zulieferer beauftragt — über 90 Prozent aus Österreich.
Der erste Elektrolichtbogenofen soll im Februar 2027 in Betrieb gehen. Die Sekundärmetallurgie folgt im April 2027. Beide Termine liegen im Zeitplan.
In Donawitz läuft der Umbau parallel. Rund 300 Mitarbeiter arbeiten dort an elf Teilprojekten. Ab 2027 soll der neue Ofen jährlich 850.000 Tonnen CO₂-reduzierten Stahl produzieren. Die zentralen Anlagenkomponenten wurden seit Sommer 2025 geliefert, der Bau einer 220-kV-Hochspannungsleitung für den Betrieb mit erneuerbarer Energie läuft.
Zwei Millionen Tonnen weniger COâ‚‚
Ab 2027 wollen die beiden neuen Öfen zusammen rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂-reduzierten Stahl pro Jahr liefern: 1,6 Millionen Tonnen in Linz, 850.000 Tonnen in Donawitz. Das Ziel: Die CO₂-Emissionen bis 2029 um 30 Prozent senken. Das entspricht bis zu vier Millionen Tonnen weniger CO₂ jährlich — fünf Prozent der gesamten österreichischen Jahresemissionen.
Ab 2030 plant Voestalpine, an beiden Standorten jeweils einen weiteren Hochofen abzulösen.
EU-Regeln verteuern Importstahl
Das Marktumfeld dreht sich zugunsten europäischer Produzenten. Das Europäische Parlament verabschiedete am 19. Mai eine neue Stahlschutzverordnung, der EU-Rat stimmte am 8. Juni zu.
Ab 1. Juli sinken die zollfreien Einfuhrkontingente auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr — ein Rückgang um 47 Prozent gegenüber 2024. Wer darüber importiert, zahlt künftig 50 Prozent Zoll statt bisher 25 Prozent. Ab Oktober 2026 greift das sogenannte „Melt-and-Pour“-Prinzip: Importeure müssen lückenlos nachweisen, wo ihr Stahl geschmolzen und gegossen wurde. Das schließt Umgehungsrouten über Drittländer.
Hinzu kommen seit Januar 2026 CBAM-Zertifikate, die den CO₂-Fußabdruck von Importen bepreisen. Für Voestalpine bedeutet das: Emissionsintensiver Importstahl wird teurer, der eigene grüne Stahl wettbewerbsfähiger.
EBITDA soll weiter steigen
Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet der Vorstand ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro — nach 1,5 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. Die Aktie notiert bei 47,36 Euro und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Mit einem Plus von rund 22,5 Prozent seit Jahresbeginn fehlen noch knapp vier Prozent bis zum 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro.
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