Die Schweizer Großbank UBS sieht für die europäische Stahlindustrie eine Trendwende voraus und traut dem Linzer Konzern Voestalpine deutlich mehr Ertragskraft zu. Die Analysten stuften die Aktie heute von Neutral auf Buy hoch und hoben das Kursziel spürbar von 49 auf 64 Euro an. An den Märkten sorgte die neue Einschätzung für kräftigen Rückenwind: Das Papier legte heute um 5,8 Prozent zu und notierte bei 44,68 Euro.

Hintergrund der Neubewertung sind veränderte Rahmenbedingungen auf dem europäischen Heimatmarkt. Seit dem 1. Juli begrenzen verschärfte EU-Schutzmaßnahmen die zollfreien Einfuhren auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen, während darüber hinausgehende Mengen mit einem Zoll von 50 Prozent belegt werden.

UBS kalkuliert infolge dieser Quoten mit einem Rückgang der jährlichen Importe um rund 9 Millionen Tonnen. Sollten zudem Produktionsausfälle bei Wettbewerbern wie HKM oder Taranto eintreten, könnte sich das europäische Angebot noch weiter verknappen.

Steigende Stahlpreise stützen künftige Erträge

Treffen die Branchenschätzungen des Stahlverbands EUROFER zu, steuert der Markt nach Berechnungen von UBS bis 2027 auf ein Angebotsdefizit von rund 7 Millionen Tonnen zu.

Diese Verknappung dürfte die Notierungen für Warmbreitband deutlich über das aktuelle Niveau von etwa 745 Euro je Tonne heben. Für das Jahr 2027 rechnet das Bankhaus mit einem Anstieg auf durchschnittlich 820 Euro, gefolgt von rund 805 Euro im Jahr 2028.

Zwar belasten die gedämpfte Nachfrage und anhaltende Kostenfaktoren kurzfristig das laufende Geschäft, doch für die Folgejahre zeichnet sich eine deutliche Ergebnisverbesserung ab. Das spiegelt sich auch in der Gewinnentwicklung wider, die mittelfristig deutlich über den bisherigen Erwartungen des Marktes liegen könnte.

Angepasste Prognosen und Ausblick auf die Zwischenbilanz

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 passte UBS die operative Gewinnerwartung zwar zunächst um 6 Prozent nach unten an. Für die Geschäftsjahre 2027/28 und 2028/29 hob das Institut die EBITDA-Schätzungen dagegen um 8 beziehungsweise 13 Prozent an.

Beim Gewinn je Aktie kalkuliert die Bank für 2026/27 mit 3,49 Euro, erwartet in den darauffolgenden beiden Jahren dann aber einen Anstieg auf 5,42 sowie 6,26 Euro. Parallel dazu stellen die Analysten steigende Dividendenzahlungen in Aussicht, die von 1,22 Euro im laufenden Turnus bis auf 2,19 Euro je Anteilsschein anziehen sollen.

Investoren müssen sich allerdings auf eine schwächere Zwischenbilanz einstellen. Nach Einschätzung von UBS dürften die bevorstehenden Zahlen zum dritten Quartal noch unter den Konsensschätzungen liegen. Konkrete Zahlen zur aktuellen Geschäftsentwicklung legt Voestalpine am 11. November vor.