Voestalpine liefert solide Ergebnisse und treibt die grüne Wende in der Stahlverarbeitung voran. An der Börse kühlte die Aktie nach einer starken Jahresrally zuletzt ab. Ein genauer Blick auf das operative Geschäft lohnt sich.

Abschied vom Zinkphosphat

Der Konzern präsentierte auf der Düsseldorfer Fachmesse eine neue Drahtbeschichtung. Das Produkt namens phreeco kommt komplett ohne Schwermetalle und PFAS-Chemikalien aus. Bisher nutzte die Industrie standardmäßig Zinkphosphat.

Die wachsbasierte Lösung schont die Umwelt und bringt handfeste Vorteile für die Produktion. Kunden profitieren von längeren Werkzeugstandzeiten. Parallel dazu sinkt das Risiko für Materialschäden bei der Kaltumformung von Drähten. Die Folge: stabilere Prozesse in den Fabriken.

Das Management richtet das Portfolio konsequent auf Nachhaltigkeit aus. Ab dem kommenden Jahr stellt Voestalpine die Produktion schrittweise auf Elektrolichtbogenöfen um. Damit senken die Österreicher den CO2-Fußabdruck ihrer Kunden deutlich.

Milliardengewinn und Schuldenabbau

Abseits der Produktinnovationen laufen die Geschäfte rund. In den ersten drei Quartalen erwirtschaftete Voestalpine ein operatives Ergebnis von einer Milliarde Euro. Das entspricht einem Plus von gut sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders erfreulich entwickelt sich die Bilanzstruktur. Trotz hoher Investitionen drückte der Vorstand die Nettoverschuldung auf 1,4 Milliarden Euro. Dieser Wert liegt rund ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres.

Der Konzern finanziert seinen grünen Umbau somit aus einer Position der Stärke. Das Management behält den finanziellen Spielraum für künftige Projekte. Für das Gesamtjahr peilt Voestalpine ein operatives Ergebnis von bis zu 1,55 Milliarden Euro an.

An der Börse verbuchen Aktionäre auf Jahressicht ein sattes Kursplus von 93 Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 43,16 Euro. Kurzfristig zeigt sich der Markt jedoch stark überverkauft. Der RSI-Indikator fiel zuletzt auf den niedrigen Wert von 17.

Ungeachtet dieser kurzfristigen Kursschwäche nutzt Voestalpine das solide Umfeld für die Finanzierung. Das Unternehmen platzierte Mitte April erfolgreich eine Aufstockung seiner Wandelanleihe. Damit fließen dem Konzern weitere 35 Millionen Euro zu.