Es ist selten, dass eine interne Mitarbeiterumfrage öffentlich wird und dabei ein derart offenes Bild der Verunsicherung zeichnet. Bei Volkswagen ist genau das passiert: In einer vom Betriebsrat initiierten Online-Erhebung geht die Belegschaft hart mit der Kommunikation des Vorstands ins Gericht. Die Aktie reagierte am Montag mit einem Kursrückgang um rund 2,7 Prozent auf 72,98 Euro.

Verunsicherte Belegschaft, kritischer Ton

In der Umfrage, die vergangene Woche im Intranet lief, sammelten Mitarbeiter Fragen und Kritikpunkte an Konzernchef Oliver Blume und dem übrigen Vorstand. Von mehr als 100 zur Auswahl stehenden Fragen erreichten die Top fünf dreistellige Zustimmungswerte — für das Intranet ungewöhnlich hohe Zahlen.

Ganz oben: Kritik an der Außenkommunikation des Vorstands, gefolgt von Ängsten um Arbeitsplätze und der Frage nach sozialverträglichen Abbauwegen wie Altersteilzeit oder Aufhebungsverträgen.

Auch die Zukunft der Werke Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau treibt die Belegschaft um. Blume selbst hatte die Lage kürzlich in einem Intranet-Interview als „mehr als kritisch“ beschrieben. Der Konzern verdiene zu wenig, um Zukunftstechnologien und Standorte ausreichend zu finanzieren — die Rendite von 3,8 Prozent reiche dafür nicht aus.

Neun Betriebsversammlungen als Testlauf

Der Vorstand muss sich nun der Belegschaft direkt stellen. Zwischen dem 25. und 31. August stehen neun außerordentliche Betriebsversammlungen an, unter anderem in Wolfsburg, Emden, Zwickau und Hannover. Wolfsburg macht am Dienstag den Auftakt, Hannover bildet am 31. August den Abschluss.

Politik und Gewerkschaften mischen sich bereits ein. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies wollte sich am Montagabend beim Betriebsrat in Hannover über die Stimmung informieren, weitere Besuche in Osnabrück und Emden sind geplant. Für Zwickau ist ein digitaler Austausch vorgesehen. Konkrete Werksschließungen sind laut Blume noch nicht beschlossen, bis zu 50.000 zusätzliche Stellen stehen aber weiter zur Debatte.

Die neun Betriebsversammlungen dürften zeigen, ob der Vorstand die Vertrauenskrise in der Belegschaft eindämmen kann, bevor im Herbst konkrete Entscheidungen zu den gefährdeten Werken anstehen.