Volkswagen drängt angesichts sinkender Auslieferungen und wachsender Konkurrenz aus China auf politische Unterstützung. Konzernchef Oliver Blume forderte gestern am Rande der Pariser Automesse flexiblere Regeln und Anreize für die Produktion in Europa. Für Anleger steht damit neben der Absatzschwäche die Frage im Mittelpunkt, wie Volkswagen sein Europageschäft profitabel und wettbewerbsfähig halten kann.
Blume verlangt bessere Produktionsbedingungen
Nach einem Bericht von n-tv verbindet Blume seinen Appell mit der Forderung nach einem profitablen und wettbewerbsfähigen Europageschäft. Auch die Automobilwoche berichtete gestern über seinen Ruf nach einer schnellen Umsetzung von „Made in Europe“ auf EU-Ebene. Der Vorstoß richtet sich damit auf die Bedingungen der europäischen Fertigung und nicht allein auf eine kurzfristige Belebung der Nachfrage.
Der Handlungsdruck ist erheblich: Im dritten Quartal 2026 sanken die weltweiten Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns gegenüber dem Vorjahr um 14,3 Prozent. In China betrug das Minus 38,5 Prozent.
Damit treffen zwei Probleme zusammen. Volkswagen verliert Absatz im chinesischen Markt, während chinesische Hersteller zugleich den Wettbewerb in Europa verschärfen. Politische Anreize für die europäische Produktion könnten die Standortbedingungen verbessern. Den Rückgang des Geschäfts in China würden sie jedoch nicht unmittelbar beheben.
Laut n-tv entfielen mehr als 80 Prozent des weltweiten Absatzrückgangs auf China. Das unterstreicht, wie stark die Entwicklung dort die aktuelle Lage des Konzerns bestimmt.
JPMorgan setzt auf ein stärkeres Schlussquartal
Trotz der schwachen Auslieferungen erwartet JPMorgan eine Belebung zum Jahresende. Analyst Jose M. Asumendi rechnet nach einer Investorenveranstaltung am Rande des Pariser Autosalons mit einem starken Schlussquartal. Skoda, Audi und eine hohe Produktdynamik könnten demnach das voraussichtlich schwächere Sommerquartal ausgleichen. Dieses sei auch durch die Sommerpause beeinträchtigt worden.
Die Bank bestätigte gestern ihre Einstufung „Neutral“ und das Kursziel von 110 Euro. Vor den anstehenden Quartalszahlen erwartet Asumendi einen Umsatz von 78 Milliarden Euro.
Die Erwartung eines besseren Jahresabschlusses ist damit keine Kaufempfehlung. JPMorgan hält an der neutralen Bewertung fest und richtet den Blick über die kurzfristigen Absatzzahlen hinaus. Chancen sieht das Haus in der Stärke des China-Geschäfts und einem möglichen Transfer dortiger Verfahren und Technologien nach Europa.
Ertrag und Mittelzufluss werden entscheidend
In der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen dürften laut JPMorgan Wertberichtigungen sowie die Ertrags- und Cashflow-Entwicklung im kommenden Geschäftsjahr im Mittelpunkt stehen. Für Anleger zählt deshalb nicht allein, ob Volkswagen zum Jahresende wieder mehr Fahrzeuge ausliefert. Ebenso wichtig wird, welchen Beitrag das Geschäft zu Ergebnis und Mittelzufluss leisten kann.
Blumes politische Forderungen und Asumendis Quartalserwartungen betreffen somit unterschiedliche Zeithorizonte: bessere Rahmenbedingungen für Europas Produktion einerseits, eine operative Belebung zum Jahresende andererseits. Ein stärkeres Schlussquartal könnte die jüngste Schwäche abfedern. Es wäre aber noch kein Beleg dafür, dass Volkswagen seine Absatzprobleme in China und den Wettbewerbsdruck in Europa überwunden hat.
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