Volkswagen dreht seine China-Strategie. Statt „In China, for China“ lautet das Motto künftig „In China, Beyond China“: Das Land soll nicht mehr nur Absatzmarkt sein, sondern Entwicklungs- und Exportbasis für Märkte im Globalen Süden. Verkündet hat der Konzern den Schwenk in Hefei.
Warum der Kurswechsel jetzt kommt
Der Druck in China wächst. Heimische Hersteller drücken die Preise, die Nachfrage lässt nach. Im Gesamtmarkt sank der Absatz in den ersten neun Monaten um 21,7 Prozent, China-Chef Ralf Brandstätter rechnet für das Gesamtjahr mit einem Minus von rund 20 Prozent.
Volkswagen traf es im dritten Quartal hart. Der Konzern verkaufte in China 405.800 Autos, 38,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auf China entfielen mehr als 80 Prozent des weltweiten Absatzrückgangs.
Chinesische Wettbewerber suchen ihr Heil bereits im Ausland, ihre Exporte legten im September um 73,7 Prozent zu. Aus Konzernkreisen heißt es, China exportiere Konkurrenzdruck. Mit Kostenstrukturen aus Europa sei dagegen kaum anzukommen.
Vega und der Globale Süden
Technische Grundlage ist „Vega“, das Volkswagen in Hefei vorstellte. Das System bündelt eine in China entwickelte Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenz. Es soll Entwicklungszeiten und Kosten senken. Der Marktstart ist für 2027 vorgesehen.
Mit chinesischen Partnern will VW Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika erschließen. Südamerika soll noch vor Ende des Jahrzehnts als erste Region die Technik in sein Angebot aufnehmen. Fahrzeuge aus China gehen schon heute in den Nahen Osten, nach Kasachstan und Usbekistan. Europa und Nordamerika sind vorerst ausgeschlossen.
Ob das Konzept aufgeht, ist offen. Analysten sehen darin auch einen Test, ob der China-Neustart Autos hervorbringt, die Kunden in und außerhalb Chinas überzeugen. Auch Konkurrenten wie General Motors, Hyundai und Renault verfolgen ähnliche Pläne.
Zwickau setzt auf Kreislaufwirtschaft
Daheim gibt es eine kleinere Nachricht. In Zwickau läuft die serienmäßige Demontage von Gebrauchtwagen an, drei Monate früher als geplant. Für 2027 sind 4.100 Fahrzeuge vorgesehen, bis 2030 soll die Zahl auf bis zu 15.000 steigen.
Volkswagen investiert bis zu 90 Millionen Euro, Sachsen steuert bis zu 10,7 Millionen Euro bei. Die Beschäftigung in dem Segment soll von 100 auf bis zu 1.000 Stellen wachsen.
Die Zukunft des Standorts bleibt dennoch ungewiss. Zwickau gehört zu den vier deutschen Werken, über deren Perspektive derzeit diskutiert wird.
An der Börse reagierte die Aktie zeitweise mit einem leichten Plus von rund 0,6 Prozent auf etwa 69 Euro. Als Nächstes dürfte der Marktstart von Vega 2027 zeigen, ob die neue Strategie technisch trägt.
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