Volkswagen tauscht die operative Spitze seines wichtigsten chinesischen Gemeinschaftsunternehmens aus. Wu Yun übernimmt mit sofortiger Wirkung den Posten des General Managers bei SAIC Volkswagen und folgt auf Tao Hailong. Der Wechsel soll die Transformation des Joint Ventures zu New Energy Vehicles beschleunigen, wie Volkswagen und der Branchendienst Gasgoo am heutigen Mittwoch mitteilten.
Der Personalwechsel trifft den Konzern in einer Phase, in der der chinesische Markt für Volkswagen strategisch an Gewicht gewinnt und zugleich unter Druck steht. SAIC Volkswagen zählt zu den zentralen Fertigungs- und Vertriebsplattformen des Konzerns in China, wo einheimische Hersteller mit batterieelektrischen und Plug-in-Hybrid-Modellen zunehmend Marktanteile gewinnen. Mit dem Führungswechsel signalisiert Volkswagen, dass die Anpassung an die NEV-Nachfrage im wichtigsten Auslandsmarkt Priorität hat.
Restrukturierung und Quartalszahlen belasten
Der Führungswechsel in China fällt in eine Phase tiefgreifender konzernweiter Umbaupläne. Der Aufsichtsrat hatte Anfang Juli einen Restrukturierungsplan bestätigt, der die Modellpalette um bis zu 50 Prozent verkleinert und die jährliche Produktionskapazität von 10 auf 9 Millionen Fahrzeuge senkt. Intern wird über einen Abbau von bis zu 100.000 Stellen spekuliert.
Die Geschäftszahlen für das zweite Quartal, die der Konzern Ende Juli vorlegte, spiegeln den Anpassungsdruck: Volkswagen wies ein Ergebnis je Aktie von 5,11 Euro aus. Ergänzt wird das operative Bild durch eine Pflichtmitteilung der Volkswagen Financial Services, die Ende Juli eine Vorabbekanntmachung zu den detaillierten Finanzberichten der konzerneigenen Finanzierungsgesellschaften veröffentlichte.
EU-Zölle, Rivian-Fall und Nutzfahrzeug-Neuheit
Auf politischer Ebene sucht Volkswagen Schutz vor chinesischer Konkurrenz. In Gesprächen mit der EU-Kommission fordert der Konzern Berichten zufolge Importzölle auf Plug-in-Hybride aus China, um Wettbewerbsnachteile durch chinesische Subventionspraktiken auszugleichen. Der Vorstoß fällt zeitlich mit dem Führungswechsel bei SAIC Volkswagen zusammen und zeigt, dass der Konzern den China-Wettbewerb gleichzeitig auf mehreren Ebenen adressiert – operativ durch Personalentscheidungen im Joint Venture, politisch durch Lobbyarbeit in Brüssel.
Belastend wirkt zudem ein Fall aus den USA: Die US-Justizbehörden haben Ende Juli zwei ehemals bei Audi tätige Ingenieure wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Aktien des Partners Rivian angeklagt. Die Vorwürfe sollen im Zusammenhang mit der Anbahnung des gemeinsamen Joint Ventures stehen, wie der Spiegel berichtete.
Auf der Produktseite setzt die Nutzfahrzeugsparte unterdessen Akzente im Elektrosegment. Für den ID. Buzz Cargo führte Volkswagen Nutzfahrzeuge am Dienstag eine neue 58-kWh-Batterieoption ein, die die Reichweite auf bis zu 218 Meilen steigern soll. Zusätzlich integriert der Konzern eine Vehicle-to-Load-Funktion, mit der sich externe Geräte über das Fahrzeug betreiben lassen.
Aktie unter Druck
An der Börse spiegelt sich der Umbaudruck deutlich wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert am Mittwoch bei 76,46 Euro und gibt damit 0,60 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 26,59 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Serie an Belastungsfaktoren aus Restrukturierung, China-Wettbewerb und regulatorischem Gegenwind unterstreicht. Auch gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt liegt die Aktie mit 17,10 Prozent im Rückstand, was auf einen anhaltend negativen mittelfristigen Trend hindeutet.
Anleger richten den Blick nun auf den 29. Oktober, wenn Volkswagen die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der neue General Manager bei SAIC Volkswagen erste Impulse für die NEV-Strategie setzen kann und ob die geforderten EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride tatsächlich Gestalt annehmen.
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