Liebe Traderinnen und Trader,
die schwächsten Volkswagen-Zahlen seit 2022 haben kein neues Kurstief erzeugt. Das ist die eigentliche Nachricht für Trader an diesem Montag. Daneben rückt der SpaceX-Angriff auf den US-Mobilfunk die Deutsche Telekom wieder an ihre Schlüsselmarke. Evotec markiert ein neues Jahrestief, und abseits von Bitcoin laufen bei NEAR und Starknet die interessanteren Charts.
Volkswagen: Das Tief vom 8. Oktober ist die Linie, die zählt
Volkswagen hat im dritten Quartal weltweit 1,89 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, 14,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. In China brachen die Auslieferungen um 38,5 Prozent auf gut 405.000 Stück ein.
Bei E-Autos in den USA blieb mit einem Minus von 86 Prozent praktisch nichts übrig. Der einzige Lichtblick ist Europa: Dort stiegen die Auslieferungen von Elektroautos um 19,6 Prozent, und die neue Modellreihe um ID. Polo und Škoda Epiq sammelte knapp 150.000 Bestellungen.
Die Analysten ziehen daraus gegensätzliche Schlüsse. UBS senkte das Kursziel vor den Quartalszahlen von 80 auf 70 Euro und bleibt bei „Neutral“. Jefferies hält an „Buy“ mit Kursziel 120 Euro fest, warnt aber selbst vor fragilen Jahreserwartungen bei den europäischen Herstellern.
Im Hintergrund steht die Prognosekappung vom 18. September: Die operative Marge soll 2026 nur noch bis zu 1 Prozent erreichen, belastet von rund 10 Milliarden Euro Sondereffekten.
Für das Setup zählt allein der Chart. Volkswagen notiert bei rund 68,40 Euro, das 52-Wochen-Tief vom 8. Oktober liegt bei 66,50 Euro. Trotz miserabler Zahlen gab es am Montag kein neues Tief – der Markt hatte das Desaster offenbar eingepreist. Solange 66,50 Euro hält, ist das ein Boden mit klarem Stopp; fällt die Marke, steht nach 34 Prozent Minus seit Jahresbeginn nichts Technisches mehr darunter.
Wo Volkswagen noch funktioniert, zeigt die Nutzfahrzeugtochter Traton. Die Auslieferungen stiegen im Quartal um 10 Prozent auf 78.900 Fahrzeuge, getragen von einem Plus von 48 Prozent bei International Motors in den USA. mwb research bleibt dennoch bei „Verkaufen“ mit Kursziel 23 Euro und verweist auf chinesische E-Lkw-Konkurrenz und mögliche Anteilsverkäufe durch Volkswagen.
Bei Daimler Truck bestätigt Deutsche Bank Research „Buy“ mit Ziel 54 Euro, nennt aber die Bestellungen schwerer Lkw in Nordamerika im September enttäuschend.
Während Volkswagen, Traton und Daimler Truck zeigen, wie weit die Lage im deutschen Industriesektor auseinanderliegt, lohnt der Blick auf heimische Schwergewichte abseits der Schlagzeilen. Ein kostenloser Report analysiert drei deutsche Unternehmen aus Immobilien, Anlagen- und Maschinenbau sowie dem Premium-Automobilsegment und zeigt, welche im Rendite-Wettbewerb die Nase vorn haben könnten. Drei deutsche Giganten im Report entdecken
Deutsche Telekom: Musk zielt auf zwei Drittel des Gewinns
SpaceX will ein eigenes US-Mobilfunknetz aufbauen und kauft dafür 800-Megahertz-Frequenzen von Grain Management, laut Berichten für 8 Milliarden Dollar in bar. Die Genehmigung der US-Aufsicht FCC steht noch aus.
Zusätzlich darf SpaceX bis zu 15.000 neue Satelliten für die direkte Verbindung zu Handys starten. Die Reaktion am Freitag fiel heftig aus: T-Mobile US verlor 13,3 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit 2013, AT&T und Verizon fielen fast 10 beziehungsweise knapp 9 Prozent.
Für die Deutsche Telekom ist das keine US-Randnotiz. Fast zwei Drittel des Konzerngewinns stammen aus dem US-Geschäft. Hinzu kommt die Bilanz: Die Netto-Finanzverbindlichkeiten lagen Ende Juni bei 138,4 Milliarden Euro, der Verschuldungsgrad mit 2,68 nur knapp unter der selbst gesetzten Obergrenze von 2,75. Wer T-Mobile-Rückkäufe von 6,1 Milliarden Euro im Halbjahr finanziert, hat wenig Puffer, wenn der US-Gewinn unter Druck gerät.
Die Telekom-Aktie notiert bei knapp 25 Euro, auf Monatssicht rund 12 Prozent im Minus. Das Jahrestief vom 30. Juni bei 23,54 Euro ist damit wieder in Reichweite. Die Gegenseite verdient Beachtung: Pivotal Research hebt das Kursziel für SpaceX auf 230 Dollar und rechnet bis 2036 mit 160 Millionen Starlink-Mobilfunkkunden, bei Netzkosten von nur rund 10 Milliarden Dollar.
Die SpaceX-Aktie liegt bei rund 164 Dollar und hat in 30 Tagen 13 Prozent zugelegt. Wer die Telekom-Schwäche handeln will, hat mit SpaceX die direkte Gegenposition – allerdings mit einem Papier, das seit dem Börsengang im Juni zwischen 102 und 217 Dollar schwankte.
Zweite Reihe: Evotec ohne Boden, Nordex mit Aufträgen, Aroundtown mit Goldman-Stempel
Evotec ist am Montag auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 2,46 Euro gefallen und notiert rund 12 Prozent tiefer. Eine Unternehmensnachricht steht nicht dahinter; im Markt kursieren Sorgen um eine Kapitalerhöhung, bestätigt ist davon nichts. Mit knapp 500 Millionen Euro Börsenwert und 55 Prozent Minus seit Jahresbeginn ist Evotec kein Wert für Bodenfischer, sondern einer, der erst nach einer Klarstellung des Unternehmens wieder handelbar wird.
Nordex gewinnt rund 2,7 Prozent nach einem deutlichen Auftragsplus im dritten Quartal, der Auftragsbestand liegt bei 18,4 Milliarden Euro. Auf Monatssicht steht Nordex noch über 8 Prozent im Minus – der Schub zum Wochenstart ist also ein Rebound-Ansatz, kein Ausbruch. Aroundtown dagegen fällt fast 6 Prozent, nachdem Goldman Sachs auf „Sell“ abgestuft hat. Flatexdegiro gibt nach einer Abstufung durch die Deutsche Bank leicht nach.
Zwei Nebenwerte-Stories laufen gegen den Trend. Scout24 kauft weiter konsequent eigene Aktien zurück: seit Juni knapp 2,7 Millionen Stück, allein vergangene Woche täglich 10.000 Stück zu Kursen zwischen 68 und 72 Euro. Der Xetra-Schluss von Scout24 lag am Montag bei 73,35 Euro.
Schaeffler beendet den Stellenabbau Ende 2028, ein Jahr früher als geplant, und will die für 2029 geplante Kostensenkung von 290 Millionen Euro um über 20 Prozent übertreffen. Honoriert hat die Schaeffler-Aktie das noch nicht: 5,91 Euro, 29 Prozent Minus seit Jahresbeginn.
Evotec bei 2,46 Euro, Schaeffler bei 5,91 Euro – ein niedriger Kurs ist noch kein Qualitätsmerkmal, und genau da trennt sich bei Small Caps Substanz von Hoffnung. Eine praxisnahe 9-Punkte-Checkliste hilft, Titel unter 10 Euro systematisch einzuordnen und den Energie-Megatrend im Niedrigpreis-Segment gezielt anzugehen, als Gratis-Report. Checkliste für Aktien unter 10 Euro sichern
IonQ: Eine Übernahme in Aktien, die der Markt als Verwässerung liest
IonQ übernimmt den Zero-Trust-Sicherheitsanbieter Elisity für bis zu 1,3 Milliarden Dollar, komplett in Aktien, inklusive bis zu 150 Millionen Dollar erfolgsabhängiger Nachzahlungen. Elisity hat den Umsatz im Jahresvergleich verdoppelt und zählt über 100 Installationen. Es ist nach SkyWater Technology bereits die zweite große Übernahme in diesem Jahr.
Die IonQ-Aktie fällt rund 8,5 Prozent auf etwa 36 Dollar und zieht den ganzen Quantensektor mit nach unten. Das Problem ist weniger Elisity als die Währung: Der Referenzpreis für die neuen IonQ-Aktien liegt zwischen 33,07 und 49,61 Dollar – also teils unter dem aktuellen Kurs.
Bei 54 Prozent Verlust auf Zwölfmonatssicht und Renditen zehnjähriger US-Anleihen über 5,2 Prozent verzeiht der Markt keine Verwässerung. Das Tief vom März bei rund 25 Dollar ist die nächste Marke, die zählt.
Krypto: Die Musik spielt bei NEAR und Starknet, nicht bei Bitcoin
Bitcoin konsolidiert bei rund 82.600 Dollar unter der Zone um 84.000 bis 85.000 Dollar, die als Einstandsschwelle vieler Käufer gilt. Strategy kaufte in der Vorwoche nur 250 Bitcoin, den kleinsten Zukauf des Jahres.
Die Bewegung findet derzeit eine Etage tiefer statt: Seit der Fed-Zinserhöhung im September haben Layer-2-Token rund 32 Prozent zugelegt, Bitcoin nur gut 9 Prozent.
NEAR Protocol liefert das konkreteste Setup. Das Handelsvolumen über NEAR Intents erreichte im September rund 4,8 Milliarden Dollar, rund 31 Prozent über dem bisherigen Rekord vom November 2025. Gleichzeitig testet der NEAR-Kurs eine seit vier Jahren bestehende Trendlinie – fundamentales Rekordvolumen trifft auf eine Chartmarke, an der sich Ausbruch oder Abweisung entscheidet.
Starknet hat mit einem Wochenplus von 87 Prozent bereits ausgebrochen, Auslöser ist die Überlegung von StarkWare, für Quantenresistenz auf eine eigene Basisschicht zu wechseln. Nach einem solchen Sprung ist Nachkaufen keine Strategie, Stopp-Nachziehen schon. Am Rand: Die Sui Foundation investiert 30 Millionen Dollar in DATA Network, dessen Token eins zu eins auf Sui wandert.
Marschroute
Der DAX ringt mit der 21-Tage-Linie bei rund 25.320 Punkten; darüber wird die von Morgan Stanley skizzierte Jahresendrally handelbar, darunter bleibt es Seitwärtsgeschiebe.
Die Marken für die nächsten Sitzungen: Volkswagen 66,50 Euro, Deutsche Telekom 23,54 Euro, Evotec 2,46 Euro als Warnlampe, IonQ rund 25 Dollar als Fangnetz. Bei Bitcoin gelten 86.800 Dollar nach oben und 79.000 Dollar nach unten.
Die Termine: Givaudan berichtet am Dienstag, ASML am Mittwoch, TSMC am Donnerstag. Anthropic hält am Mittwoch seinen Investorentag vor einem möglichen Börsengang im November. SAP legt am 21. Oktober vor.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 12. Oktober: Volkswagen – Kaufen, halten oder verkaufen?
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