Die Europäische Zentralbank erhöht erstmals seit knapp drei Jahren die Zinsen. Eigentlich ist das ein Albtraum für Immobilienkonzerne. Bei Vonovia passiert am Freitag das Gegenteil. Die Aktie klettert um 2,55 Prozent auf 20,50 Euro.
Schlimmstes Szenario bereits verarbeitet
Am Donnerstag hob die EZB den Einlagensatz auf 2,25 Prozent an. Auslöser ist die hartnäckige Inflation in der Eurozone. Der Kapitalmarkt reagiert gelassen. Anleger hatten diesen Schritt längst erwartet.
Bereits am Dienstag rutschte das Vonovia-Papier auf ein 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro ab. Von diesem Tiefpunkt setzt sich der Kurs nun ab. Analysten werten das aktuelle Plus als klares Signal. Der Zinsdruck hat seinen Höhepunkt vorerst überschritten.
Massiver Abschlag zum Substanzwert
Operativ liefert der Bochumer Konzern stabile Zahlen. Die Vermietungsquote liegt bei fast 98 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis im Vermietungsgeschäft stieg im ersten Quartal an.
Besonders auffällig bleibt die Bewertungslücke. Der Nettoinventarwert je Aktie liegt bei 46,57 Euro. Damit wird das Papier mit einem Abschlag von über 50 Prozent gehandelt. Der Markt fokussierte sich zuletzt stark auf Refinanzierungsrisiken. Nun rückt die Substanz wieder in den Blick.
Schuldenabbau bleibt Priorität
Im laufenden Jahr muss Vonovia rund 1,6 Milliarden Euro refinanzieren. Das Management will die Schuldenlast weiter drücken. Der Verschuldungsgrad liegt aktuell bei 45,1 Prozent. Das Zielgebiet lautet 40 Prozent.
Technisch bleibt das Bild angeschlagen. Auf Jahressicht steht ein Minus von über 28 Prozent auf der Anzeigetafel. Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrer 200-Tage-Linie. Die Folge: Der Markt bietet nach der jüngsten Verkaufswelle wieder Raum für eine Erholung. Eine kurzfristige Gegenbewegung trifft auf wenig Widerstand.
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