Der Immobilienkonzern Vonovia hält trotz schwieriger Rahmenbedingungen an seinen laufenden Bauvorhaben in der Bundeshauptstadt fest. Wie Vorstandschef Luka Mucic laut dem Handelsblatt erklärte, stellt das Unternehmen die derzeit rund 1.000 im Bau befindlichen Wohnungen in Berlin fertig.

Zudem sollen Instandhaltungen sowie energetische Modernisierungen weitergeführt werden. Einen generellen Baustopp schloss Mucic aus. Am Markt legte das Papier am heutigen Dienstag leicht um 0,7 Prozent auf 16,52 Euro zu.

Gleichzeitig bremste der Konzernchef die Erwartungen an künftige Großprojekte. In der weiteren Planung werde Berlin schwächer vertreten sein. Die Zurückhaltung reflektiert das veränderte Zinsniveau und die hohen Finanzierungskosten, welche die Kalkulation neuer Wohnbauprojekte belasten.

Politischer Dialog gerät ins Stocken

Wie angespannt die Situation vor Ort bleibt, zeigte sich am heutigen Dienstag auch auf politischer Ebene. Ein geplantes Treffen zwischen Mucic und dem Berliner Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano zur Wohnungspolitik fiel kurzfristig aus.

Die Linke sagte den Termin wegen eines Streits über die Teilnahme eines Journalisten ab. Vonovia widersprach der Darstellung, einer journalistischen Begleitung vorab zugestimmt zu haben. Beide Seiten erklärten sich jedoch weiterhin grundsätzlich gesprächsbereit.

Für den Wohnungskonzern fällt die Auseinandersetzung in eine volatile Phase. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus der Aktie auf 33 Prozent. Medienberichten zufolge lasten neben den Zinsen auch die politischen Debatten über eine mögliche Vergesellschaftung von Beständen auf der Stimmung der Anleger.

Bilanz und Neuausrichtung im Fokus

Analysten mahnen vor diesem Hintergrund weitere Schritte zur Stabilisierung an. Analyst Neil Green verwies auf die Frustration der Investoren angesichts der fehlenden Kursdynamik und des Zinsumfelds. Als mögliche Stütze nannte Green eine Trennung von Aktivitäten im Wert von einer Milliarde Euro, um die Verschuldung zu senken.

Parallel arbeitet der Konzern an der Erweiterung seiner Dienstleistungen abseits des reinen Bestandsgeschäfts. Vor gut einer Woche stellte Vonovia auf der Immobilienmesse EXPO REAL die neue Marke Veveus vor, unter der Angebote im Property- und Facility-Management gebündelt werden. Neue Einblicke in die operative Entwicklung erwarten Anleger am 4. November mit der Veröffentlichung des Zwischenberichts für die ersten neun Monate.