Die Vonovia-Aktie steckt in ihrem schärfsten Abwärtstrend seit Jahren. Am Dienstag rutschte das Papier auf 18,80 Euro und markierte damit den tiefsten Stand seit Juni 2023. Zur Wochenmitte setzte sich die Schwäche fort, zeitweise fiel der Kurs sogar bis auf 18,66 Euro zurück.

Auslöser sind kräftig gestiegene Anleiherenditen. Sie treffen Immobilienwerte doppelt: Festverzinsliche Anlagen werden attraktiver, während sich zugleich die Finanzierungskosten für stark fremdkapitalseitig aufgestellte Konzerne wie Vonovia verteuern. Der gesamte Sektor steht unter diesem Druck – auch kleinere Werte wie Aroundtown oder Branicks Group leiden derzeit unter der Zinsangst.

Solides Geschäft, brechender Cashflow

Der Halbjahresbericht zum 30. Juni zeigt ein zweigeteiltes Bild. Das bereinigte EBITDA stieg um 2,4 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro, getragen vom Vermietungsgeschäft und einem kräftigen Zuwachs im Segment Value-add. Auf der Ergebnisseite bremsten dagegen höhere Finanzierungskosten: Das bereinigte Ergebnis je Aktie sank um 7,7 Prozent auf 0,91 Euro.

Deutlich stärker traf es den Operating Free Cashflow, der um 45,4 Prozent auf 607,5 Millionen Euro einbrach. Belastet haben ihn Effekte im Nettoumlaufvermögen sowie Dividendenzahlungen. Das Management hält an der Jahresprognose von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro beim Adjusted EBITDA fest.

Analysten sehen Kaufpotenzial

Trotz des Kursrutsches bleibt das Analystenbild überwiegend positiv. Sieben von neun Häusern empfehlen den Kauf, nur jeweils ein Analyst rät zum Halten beziehungsweise Verkaufen. Die Kursziele reichen von 20 bis 34,50 Euro – eine deutliche Spanne, die unterschiedliche Einschätzungen zur Zinsentwicklung widerspiegelt.

Barclays senkte die Einstufung Ende August auf „Underweight“ und zählt damit zu den wenigen kritischen Stimmen. Goldman Sachs hält dagegen an seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 29,50 Euro fest und verweist auf die starken mittelfristigen Mietwachstumsambitionen des Konzerns.

Ein zentrales Argument der Optimisten ist die Substanzbewertung. Der Nettovermögenswert je Aktie lag zum 30. Juni bei 46,22 Euro – mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Börsenkurs. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von rund fünf Prozent, die im Branchenvergleich hoch ausfällt.

Charttechnik ohne nahe Unterstützung

Die Risiken liegen auf der Hand. Die Aktie notiert unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, vom GD20 bei rund 20,40 Euro bis zum GD200 bei rund 23 Euro. Eine nahe Unterstützung fehlt: Die nächste wartet erst am Fünfjahrestief bei 15,27 Euro, was einem weiteren Rückgang von rund 19 Prozent entspräche.

Hält der Zinsanstieg an, dürfte das die Bewertung der gesamten Branche weiter belasten. Für Anleger bleibt die Lage eine Abwägung zwischen der großen Bewertungslücke zum Substanzwert und dem Risiko, in einen fortgesetzten Abwärtstrend hineinzukaufen.