Während US-Immobilienaktien den Zinsanstieg 2026 weitgehend wegstecken, geraten deutsche Wohnungskonzerne doppelt unter Druck. Vonovia fiel am Dienstag zeitweise unter das jüngste Jahrestief und markierte neue Mehrjahrestiefs. Zu den Marktzinsen kommt ein politisches Thema, das Anleger zusätzlich verunsichert.

Berlin bringt Vergesellschaftung zurück

Nach der Wahl vom 20. September haben Grüne und SPD den Weg für Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei freigemacht. Ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis sondiert die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Vonovia besitzt gemeinsam mit der Tochter Deutsche Wohnen rund 138.000 Wohnungen in Berlin und Umgebung und wäre besonders betroffen. Die Bundesregierung will Landes-Vergesellschaftungen per Bundesgesetz ausschließen.

Zusätzlich belastete eine skeptische Einstufung von Morgan Stanley. Die Aktie gab zeitweise um 1,57 Prozent auf 16,31 Euro nach und rutschte damit wieder unter das Jahrestief von 16,185 Euro. Andere Marktberichte sprachen von Verlusten von über 3 Prozent im Tagesverlauf.

Goldman Sachs hatte die Kaufempfehlung für Vonovia bereits vor einigen Wochen gestrichen und das Kursziel von 29,50 auf 21,20 Euro gesenkt. Am Dienstag stufte das Haus stattdessen den Konkurrenten TAG Immobilien auf Kauf hoch, weil Polen dort eine branchenführende Gewinndynamik liefern könne.

Finanzierung entscheidet

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte Ende August den höchsten Stand seit 15 Jahren. Die Branche gilt als Bond-Proxy und ist stark fremdfinanziert, höhere Zinsen schlagen daher direkt durch.

Vonovia verweist auf vorgezogene Finanzierungen. Im ersten Halbjahr refinanzierte der Konzern rund 4,4 Milliarden Euro mit durchschnittlich acht Jahren Laufzeit. CFO Philip Grosse nannte die Kapitalstruktur solide, die höheren Kosten lägen innerhalb der Planung.

CEO Luka Mucic räumte ein, dass die verkaufsnahen Segmente im schwierigen Umfeld langsamer vorankommen. Verkäufe verschieben sich eher Richtung Jahresende. Die Prognose für 2026 bestätigte das Unternehmen.

Die Bewertung wirkt auf dem Papier günstig: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei 6,8, die Dividendenrendite bei rund 7,6 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat die Aktie allerdings etwa 42 Prozent verloren, die Verluste fallen damit deutlich höher aus als bei TAG.

Termine bis Anfang November

Am 28. Oktober tagt die Fed, einen Tag später folgt die EZB-Entscheidung. Am 31. Oktober entscheidet der Parteitag der Linken über mögliche Koalitionsverhandlungen in Berlin. Vonovia legt laut vorläufigem Kalender am 4. November den Zwischenbericht vor.